Kino

Der endlose Ozean als Zerreißprobe

„Die Farbe des Horizonts“: Regisseur Baltasar Kormákur präsentiert mit viel Gefühl einen Segeltörn des Grauens

Als Tami aufwacht, ist sie allein. Knietief steht das Wasser in der Kabine des Segelboots. Um sie herum knarzt, gurgelt und splittert es. Jedes noch so kleine Geräusch könnte Schlimmes bedeuten – ein Hurrikan hat Tami und ihren Verlobten mitten auf dem Pazifik erwischt. Stark beschädigt treibt das Boot nun Tausende Kilometer vom Festland entfernt. Für das Paar beginnt ein fast aussichtsloser Überlebenskampf. Mensch gegen Natur: Dieses Motiv setzt der isländische Regisseur Baltasar Kormákur nicht zum ersten Mal in Szene – nun mit dem Drama „Die Farbe des Horizonts“. Nach seinem Bergsteiger-Epos „Everest“ (2015) setzt der Filmemacher seine Protagonisten diesmal aber nicht im eisigen Himalaya, sondern auf dem schier endlosen Ozean aus.

Rückblende: Tami Oldham (Shailene Woodley) ist gerade mal 24 Jahre alt, als sie auf Tahiti den etwas älteren Segler Richard Sharp (Sam Claflin) kennenlernt. Die beiden verlieben sich und verbringen traumhafte Wochen im Südseeparadies, als plötzlich ein verlockendes Angebot winkt: Sie sollen die Luxus-Jacht eines befreundeten Ehepaares von Tahiti nach Kalifornien überführen. Kurzentschlossen wagen die beiden das Abenteuer. Auf hoher See schlägt dann der Hurrikan zu. Als Tami nach dem Sturm wieder zu sich kommt, kann sie den schwer verletzten Richard retten, der sich an einem Beiboot festgeklammert hat. Kaum zu glauben: Der Film basiert auf einer wahren Geschichte. 1983 geriet die echte Tami Oldham mit ihrem Verlobten auf einer Pazifiküberfahrt in einen schweren Sturm.

Spannung bis zum Schluss

Leider sind die Rückblenden auf die glücklichen Tage der beiden zu holzschnittartig geraten; hier trägt der Regisseur viel zu dick auf. Aber die beiden Darsteller Shailene Woodley und Sam Claflin überzeugen in ihren Rollen durchaus. Und auch die Spannung lässt die Kinobesucher bis zum Schluss nicht los. dpa