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Der Superheld vom magischen Bosporus

Archivartikel

„The Protector“: Netflix hat die erste türkische Serie als Zehnteiler im Programm

Superheldengeschichten hatten es bei Netflix zuletzt nicht leicht. Nach „Marvel’s Iron Fist“ und „Marvel’s Luke Cage“ wurde auch „Daredevil“ nach der dritten Staffel abgesetzt. Unberührt vom Superheldensterben startet mit der Mystery-Serie „The Protector“ nun das erste türkische Netflix-Original. Damit setzt der Streaminggigant nach der polnischen Produktion „1983“ seine zunehmende Expansion mit Produktionen in Europa fort.

Im Zentrum der Geschichte, die auf einem Fantasyroman der türkischen Autorin N. Ipek Gökdel basiert, steht der junge Hakan (Cagatay Ulusoy). Dessen Leben ändert sich komplett, als er von seinem Schicksal erfährt. Als letzter Protektor muss er seine Heimatstadt Istanbul vor mysteriösen Unsterblichen bewahren. Doch die Zeit drängt, denn mächtige Feinde sind ihm auf den Fersen.

Nicht immer nachvollziehbar

Zunächst will sich Hakan vor seiner Verantwortung drücken. Mit fortlaufender Handlung aber – und das ist für den Zuschauer nicht immer nachvollziehbar – wächst der junge Mann in seine neue Rolle hinein. Das ist auch bitter nötig, schließlich sind mächtige Feinde auf der Jagd nach ihm. Besonders der aalglatte Mazhar (Ex-„Tatort“-Ermittler Mehmet Kurtulus) stellt mit seinen Handlangern eine Gefahr dar. Und welche Rolle spielt eigentlich der geheimnisvolle Superreiche Faysal Erdem (Okan Yalabik)?

Sehr klassisch kommt das Storygerüst von „The Protector“ daher: Ein von allen Liebsten verlassener junger Mann steht vor den Scherben seiner Existenz und muss dann, mit Superkräften bewaffnet, die Welt retten. Ein ähnlicher Erfolg, wie bei den Publikumsmagneten von Marvel darf bei der türkischen Produktion allerdings bezweifelt werden. Das liegt nicht nur an Hauptdarsteller Cagatay Ulusoy, der zwar engagiert auftritt, den Zuschauer aber nie wirklich auf seine Seite ziehen kann.

Zudem sind einige Plot-Twists nicht nachvollziehbar, Logiklöcher tun sich auf, und die Cliffhanger am Ende der Folgen wirken eher erzwungen als durchdacht. Dazu verleihen diverse Kamerafahrten durch Istanbul der Superheldenserie den Anstrich eines Tourismuswerbefilms.

Am Ende bleiben von „The Protector“ nur wenige positive Ansatzpunkte, wie etwa die gelungene Chemie zwischen Hakan und Zeynep (Hazar Ergüclü). Zwar ist bereits eine zweite Staffel der Produktion in Arbeit, dennoch ist zu befürchten, dass sie die unrühmliche Reihe der abgesetzten Superheldenserien auf Netflix demnächst erweitern könnte. tsch