Kino

Desillusionierter Geheimagent

Archivartikel

„Das Ende der Wahrheit“: Regisseur Leinemann verschafft Ronald Zehrfeld einen großen Auftritt

Ein oberbayerischer See liegt in frühes Morgenlicht getaucht. Ruhig zieht eine Frau darin ihre Bahnen. Und am Ufer steht ein Wolf. Mehr braucht Philipp Leinemanns neuer Film „Das Ende der Wahrheit“ nicht um anzudeuten, was kommen wird: raus aus dem Idyll und rein in einen Thriller.

Der führt in die Welt von Steinwüsten und Terrormilizen und auch ins fahle Behördengrau deutscher Geheimdienste. Ronald Zehrfeld gibt als desillusionierter BND-Agent Martin Behrens darin mit Bravour seine Paraderolle: den Polizisten von massiger Körperstatur und mit nuanciertem Innenleben.

Als mit allen Wassern gewaschener Geheimdienstler spricht er fließend Farsi und war in den Krisengebieten Zentralasiens aktiv. Härte ist ihm bei Aufträgen und im Umgang mit Informanten nicht fremd.

Doch als nach einem amerikanischen Drohnenangriff in der (fiktiven) Region Zahiristan mitten in München ein blutiges Attentat als Vergeltungsschlag erfolgt, wird auch Behrens bitter getroffen: Seine Freundin (Antje Traue), die gerade noch im See schwamm, ist unter den Opfern. Die Journalistin arbeitete an einer Geschichte über Waffenhandel.

Doch Behrens Versuche, Licht in das Dunkel dieser Waffengeschäfte und die Umtriebe einer obskuren Firma namens „Global Logistics“ zu bringen, zeigen vor allem eins: Auch die Geheimdienste, darunter sein Vorgesetzter, BND-Stabschef Joachim Rauhweiler (Axel Prahl), scheinen ihre Finger im schmutzigen Spiel zu haben. Und kein Interesse an jemandem, der in ihren eigenen Reihen Staub aufwirbelt.

Komplexer Thriller

Teilweise rührende Szenen unterscheiden den Film bei all seinem Tempo ebenso von einem klassischen Spionagethriller wie die stillen Bilder, die die latente Bedrohung oder das Grauen in ungewohnten Totalen einfangen.

Unterm Strich: ein komplexer Thriller. Ein spannendes und rares Thema. Eine tolle Besetzung. Sehenswert.