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Die Fantastischen Drei

Archivartikel

„Invisible Sue – Plötzlich unsichtbar“: Markus Dietrich dreht Mix aus Kinder- und Superheldinnenfilm

„Neun von zehn Kinderfilmen sind witzlos, blöd und zeigen, dass sie ihr Publikum geringschätzen – was auch der Grund ist, warum Kinder keine Kinderfilme mögen...“ So weit der 2013 verstorbene Roger Ebert, der 1975 als erste Filmkritiker mit einem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde. Seine Einschätzung klingt hart, trifft jedoch weitgehend den Punkt, sieht man einmal von den berühmten, in den tschechischen Barrandov-Studios entstandenen Märchenfilmen wie „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ oder skandinavischen Astrid-Lindgren-Verfilmungen ab.

Der Grund liegt auf der Hand: Das Zielpublikum ist relativ klein – und somit finanziell nicht unbedingt interessant. In den 1950ern bis 1970ern visierte man noch die Sechs- bis 14-Jährigen an, heute tut man sich schwer – Grund hierfür ist wohl die früher einsetzende Pubertät –, 12-Jährige mit „Babykram“ ins Kino zu locken. Entsprechend kompliziert ist es, ein solides Budget auf die Beine zu stellen.

Markus Dietrich („Sputnik“) ist dies gelungen, rund vier Millionen Euro standen ihm für „Invisible Sue – Plötzlich unsichtbar“ zur Verfügung – etwa so viel, wie die ARD für zwei „Tatort“-Folgen ausgibt.

Er hat das Geld klug genutzt, ein voltenreiches Drehbuch mit launigen Dialogen geschrieben, angesiedelt zwischen (mildem) Teen-Thriller und Superheldinnen-Abenteuer. Zwölf Jahre ist die Protagonistin alt, ein aufgewecktes Mädchen mit einer Vorliebe für Comics. In der Schule wird Sue (Ruby M. Lichtenberg) von einer doofen Tussi-Clique gemobbt, zur Mutter (Victoria Mayer), einer ehrgeizigen Wissenschaftlerin, hat sie ein schwieriges Verhältnis. Mit ihrem Vater (Luc Schiltz) hingegen kommt sie bestens aus. Problem: Dieser ist als Musiker viel unterwegs, was dazu führt, dass sich das Mädchen oft alleine und verlassen fühlt.

Als sie sich eines Tages im Labor der Mama aufhält, kommt Sue bei einer Explosion mit einer Flüssigkeit in Kontakt, die es ihr ermöglicht, sich blitzschnell unsichtbar zu machen. Die neue Fähigkeit ist ziemlich cool, erweist sich aber bald als gefährlich, weil eine Menge Leute das geheimnisvolle Serum in ihren Besitz bringen wollen. Als dann noch ihre Mutter entführt wird, muss Sue handeln. Gemeinsam mit der genialen Erfinderin App (Anna Shirin Habedank) sowie dem draufgängerischen BMX-Radler Tobi (Lui Eckardt) macht sie sich auf die Suche nach ihr – unterstützt von einem altklugen Hologramm namens Alfred...

Verschiedene Genres werden geschickt miteinander verwoben, kurzweilige Unterhaltung für Jung und Alt ist angesagt. Liebevoll zeichnet der Filmemacher seine kleinen, durchweg sympathischen Helden, die sich bald die „Fantastischen Drei“ nennen. Das Unsichtbarmachen sorgt gleichermaßen für spaßige wie aufregende Momente, die Superkraft wird sehr dosiert und zielgerichtet eingesetzt. Im Fokus bleiben immer die Kids, die sich in der Erwachsenenwelt durchsetzen müssen, sich auf ihr Köpfchen und ihre Geschicklichkeit verlassen, ihre Stärke vor allem aus ihrem Zusammenhalt beziehen.

In „Fünf Freunde“-Tradition

Angesiedelt ist das Abenteuer in einer fiktiven Stadt. Ein modernes Labor gibt es hier, eine in die Jahre gekommene Fabrikanlage, eine prototypische moderne Schule und eine mysteriöse Villa, die in Horrorfilm-Manier gefilmt für Grusel sorgt. Spannung in der Tradition der „Fünf Freunde“-Filme ist angesagt, ein wenig Tricktechnik – Steven Spielbergs bekannte Radszene aus „E.T.“ wird nett variiert – kommt zum Einsatz, auf die nötige Action wird nicht verzichtet, und dass es zu einem überraschenden Kuss kommt – Stichwort: erste zaghafte Liebe – versteht sich von selbst. Wie eingangs gesagt, nur jeder zehnte Kinderfilm weiß zu überzeugen - dieser gehört unbedingt dazu.

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