Kino

Die Königsmacherin

Archivartikel

„Die Frau des Nobelpreisträgers“: Glenn Close brilliert in Björn Runges Adaption des Bestsellers

Sechsmal wurde sie bereits für einen Oscar nominiert, entgegennehmen durfte sie die Statuette noch nie: Glenn Close. Als aristokratische Intrigantin in „Gefährliche Liebschaften“ hat sie Leinwandgeschichte geschrieben, ebenso wie als von Michael Douglas abgewiesene Geliebte in „Eine verhängnisvolle Affäre“. Vielleicht klappt’s mit der Auszeichnung im siebenten Anlauf, denn die 71-jährige Amerikanerin ist gerade erneut für einen Golden Globe nominiert worden. In Branchenkreisen gilt das als ein recht sicheres Indiz dafür, dass man in der Folge auch für einen Academy Award vorgeschlagen wird.

Wieder ist sie als starke, unabhängige Frau zu sehen, als Joan, Gattin von Joe Castleman (Jonathan Pryce). Seit rund 40 Jahren sind die beiden miteinander verheiratet. Der Ehemann ist ein selbstgefälliger Lebemann, der seine Affären pflegt und den Umstand genießt, dass er als einer der bedeutendsten US-Schriftsteller der Gegenwart gilt. Gerade ist er besonders aufgekratzt, weil er als Nobelpreis-Kandidat gehandelt wird. Tatsächlich erreicht ihn dann eines Morgens der Anruf, dass man ihn als Preisträger auserkoren hat.

Unsympathischer Mann

Wie ein kleines Kind hüpft er im Bett herum, huldvoll nimmt er am Abend auf der ihm zu Ehren ausgerichteten Party die Glückwünsche der Gäste entgegen. Joan bleibt dabei wie gewohnt im Hintergrund. Organisiert, parliert. Beweist Sinn, Verstand und Humor. Tut kurzum alles, damit Joe sich wohlfühlt. Symptomatisch für ihr Verhältnis – und so soll es in Stockholm bleiben, wo der Preis feierlich verliehen wird. In der Concorde macht man sich auf den Weg, mit von der Partie ist Sohn David (Max Irons), selbst ein ambitionierter Autor, der darunter leidet, dass der Vater von seiner Art zu schreiben wenig angetan ist.

Ein wenig sympathischer Zeitgenosse ist Joe, der sich gern in den Vordergrund drängt, dabei stets betont, welch große Stütze seine bessere Hälfte ihm ist. Sie ist es auch, der Titel „Die Frau des Nobelpreisträgers“ verrät es, um die es geht. Den 2003 erschienenen Roman „Die Ehefrau“ von Meg Wolitzer hat der schwedische Silberner-Bär-Gewinner Björn Runge nach dem Drehbuch von Jane Anderson („Ein amerikanischer Quilt“) adaptiert. Als Beziehungsdrama, konventionell, handwerklich sauber umgesetzt, unterbrochen durch Rückblicke, die in die frühen Jahre der Ehe der Castlemans, die sich an der Universität kennenlernten, führen.

In Schweden angekommen, werden zwischen Empfängen und Damenprogramm – Wellness und Shopping – die Risse der Liaison sichtbar. Joans Laune verschlechtert sich zusehends, heftig gerät sie sich mit ihrem Gatten in die Haare – nicht zuletzt, weil dieser einer Fotografin Avancen macht. Der Grund ihrer Wut wird dem Zuschauer spätestens in jener Szene klar, in der sich der Starschreiber nicht an den Namen einer seiner Romanfiguren erinnern kann. Ein Umstand, für den sich der Journalist Nathaniel Bone (Christian Slater) besonders interessiert.

Schein und Sein

„Hinter jedem starken Mann stand immer eine liebende Frau“ soll Pablo Picasso gesagt haben. Dessen Spruch wird variiert. Es geht (auch) um private und öffentliche Identität, um Schein und Sein. Joan, von Close facettenreich verkörpert, bringt es auf den Punkt: „Ich bin eine Königsmacherin“. Aber die will sie nicht mehr sein. Was sie im Gespräch mit Bone festmacht, als dieser ihr eröffnet, dass er den Auftrag hat, eine Biografie über Joe zu schreiben: „Beschreiben sie mich nicht als Opfer. Ich bin viel interessanter“.

Genau dies trifft auf den Film zu, wenn der Zwist der Protagonisten zwischendurch in den Hintergrund tritt, und über die Stellung der Frauen im Literaturbetrieb reflektiert wird.