Kino

Die Ordnung im Chaos

„Wohne lieber ungewöhnlich“: Eine französische Geschwisterbande gründet eine WG

Frankreich liebt Familienfilme. Besonders jene, in denen Kinder ihren eigenen Kopf haben und ihn durchsetzen. Als ein Vorbild des Genres gilt der Teenie-Klassiker „La Boum – Die Fete“. Auch in der neuen französischen Komödie „Wohne lieber ungewöhnlich“ erkämpfen sich die Jugendlichen die Freiheit, zu leben wie sie es für richtig halten.

Sie gründen die wohl wildeste WG seit Pippi Langstrumpfs Villa Kunterbunt: Bastien und seine sechs Halbgeschwister ziehen heimlich in die riesige Altbauwohnung einer verstorbenen Großmutter. Schließlich haben sie den Pariser Patchwork-Alltag bei ihren insgesamt acht Erziehungsberechtigten satt. Mal sind sie bei der einen Mutter, dann bei dem anderen Vater. Ständig müssen sie ihre Sachen packen oder kurzfristig doch woanders übernachten als geplant. Damit soll Schluss sein.

In ihrem neuen Domizil geht es mitunter chaotisch zu. Wenn der Kleinste in der Wanne vergessen wird, verwandelt sich schon mal der ganze Altbau in ein Blubberbad – bis der tropfnasse Nachbar an der Haustür klingelt. Zum Glück bietet sich die verrückte Oma an, den vor Wut schäumenden Herren mit ihren ganz eigenen Mitteln zu beruhigen.

Insgesamt aber hat die Kinderbande ihr Leben perfekt im Griff. Schließlich sind sie es gewöhnt, zu organisieren und zu improvisieren. So staunen die Eltern nicht schlecht, als sie nach dem ersten Schrecken über die Chuzpe ihrer Kinder feststellen müssen, dass ihr Nachwuchs das Leben deutlich vernünftiger meistert als sie selbst.

In der Komödie nimmt der Pariser Regisseur Gabriel Julien-Laferrière (Jahrgang 1962) den durchstrukturierten Alltag einer Patchwork-Sippe in seiner Heimatstadt auf die Schippe. Mit einem liebevollen Blick auf die Marotten der Erwachsenen inszeniert er die vielen kleinen Peinlichkeiten und Zwänge des Lebens, aus denen jeder wohl gern einmal ausbrechen würde. Die Kinder aber tun es einfach und zwingen ihre Eltern, sich zur Abwechslung einmal ihren Bedürfnissen anzupassen.

Die Charaktere des Films wirken zwar stereotypisch: die esoterische Joga-Mutti und der Computerspiele-Freak unter den Vätern sowie die lässige, überdrehte Oma zählen zum Standardpersonal französischer Familienfilme. Aber den Darstellern gelingt es dennoch, den Figuren viel Charme zu verleihen. Zur Besetzung gehören neben Gérard Depardieus Tochter Julie Depardieu auch – vor allem in Frankreich – bekannte Schauspieler wie Julie Gayet und Thierry Neuvic.