Kino

Ein Killer wird zum Menschenfreund

"Mr. Long": Ein japanischer Thriller von SABU, der ganz anders ist

Am Anfang blitzt ein Messer auf. Es ist tödlich scharf. In einer rasanten Szenenfolge wird sofort klar, dass die Klinge das liebste Werkzeug eines Profikillers ist. Ironie des Schicksals: Seine Fähigkeit, flink und geschickt mit dem Schneidwerkzeug umzugehen, beschert dem mörderischen Titelhelden "Mr. Long" erst eine Karriere als Koch und wandelt ihn dann zu einem Menschenfreund.

Wie es zu der überraschenden Entwicklung kommt, erzählt der unter dem Künstlernamen SABU bekannte japanische Regisseur Hiroyuki Tanaka in einem Thriller, der überraschend anders daherkommt als üblich. SABU lässt den namenlosen Auftragsmörder (Chang Chen) aus Taiwan in einem tristen Ort in Japan stranden. Dorthin flieht der Gangster, nachdem er einen Job verpatzt hat und nun selbst zum Gejagten geworden ist.

Ein Kind (Runyin Bai) übernimmt zunächst die Rolle des Retters. Der halbwüchsige Junge führt den Fremden zu seiner drogenabhängigen Mutter (Yiti Yao). Die Funken der Liebe zünden sofort. Um der Frau und ihrem Sohn zu helfen, eröffnet der Flüchtige eine Suppenküche. Mit seinem Essen macht er sich in der Nachbarschaft beliebt. Alle im ärmlichen Viertel verehren "Mr. Long" als Engel der Entrechteten. Von so viel Güte umgeben, kann er nicht anders und muss selbst Gutes tun.

Wie es sich für eine handfeste Geschichte um einen Gangster gehört, wird der Titelheld von seiner Vergangenheit eingeholt. Am Ende muss er beweisen, ob er sich wirklich gewandelt hat. Ist aus dem Teufel in Menschengestalt tatsächlich ein wahrlich himmlischer Menschenfreund geworden? Die Antwort fällt überraschend aus. SABU ("Miss Zombie") begeistert mit einer brillanten Balance von Action, Komik und Gefühl. Dazu kommt ein für das Unterhaltungskino ungewöhnlich kritischer Blick. SABU zeigt mit geradezu dokumentarischer Genauigkeit den Alltag sogenannter kleiner Leute, die ihr Dasein finanziell nur mühsam bewältigen. Das wertet den Film ungemein auf.

Action, Lovestory und Milieustudie harmonieren exzellent. Zu danken ist das der visuellen Virtuosität der Inszenierung, dem intensiven Spiel aller Akteure und der feinen Ironie, die den Erzählstil dominiert. Wenn sich die Gangster-Ballade zum Hohelied auf die Solidarität der Schwachen mausert, reift der Spielfilm zu bestem Vergnügen von ungewöhnlichem Format. In der Titelrolle überzeugt der taiwanesische Schauspiel-Star Chen Chang.