Kino

Ein turbulenter Neuzugang

„A Toy Story – Alles hört auf kein Kommando“: Josh Cooleys technisch brillantem Pixar-Spaß

Disney, in diesem Fall Tochterfirma Pixar, wandelt weiter auf gewohnten Pfaden. Hit-Recycling ist erneut angesagt, Millionen von Dollars werden gebraucht, um die teuren Studioübernahmen zu finanzieren. In Fall von „A Toy Story – Alles hört auf kein Kommando“ werden die alten Spielzeughelden Woody und Buzz, der eine Westerner, der andere Astronaut, reanimiert. Dabei hatte man sie am Ende von „Toy Story 3“ (2010) sorgsam weggeräumt, in einer Kiste verstaut. Andy, ihr Besitzer, inzwischen im Teenageralter, hatte sie der kleinen Bonnie geschenkt. Ein schönes Finale.

Dabei ist es aber nicht geblieben. Das Erfolgsfranchise geht in die nächste Runde, inszeniert von Josh Cooley, der sein Langfilmdebüt vorlegt, das kreative Motto „Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter“ im Auge.

Enormer Freiheitsdrang

Eine neuen Charakter gibt’s zu bestaunen, von der Vorschul-Heldin selbst gebastelt. Halb Plastikgabel, halb Plastiklöffel, Pfeifenreiniger, Plastilin, Kulleraugen ... fertig. Auf den Namen Forky – Englisch für kleine Gabel – hört er. Problem: Forky besitzt einen enormen Freiheitsdrang, ist abenteuerlustig, will zurück zum Müll, dem er entstammt. Was Ehrenmann Woody – ein typischer US-Aufrechter, im Original von Tom Hanks gesprochen –, nicht zulassen kann und ihn der Besitzerin zurückbringen will.

Ein wenig dauert es, bis die Geschichte nach dem Drehbuch von Andrew Stanton („Findet Dorie“) und Stephany Folsom („Star Wars – Resistance“) in Gang kommt. Familie ist zuerst angesagt, heile Vorstadtwelt und ein zuckersüßer Soundtrack von Randy Newman. Das Exposé fügt sich nicht richtig ins Gesamtbild. Dann verschiebt sich der Fokus – im Zuge eines Roadtrips, bei dem Forky ausbüxt – auf die brillant konzipierten Spielzeugfiguren. In einem Trödelladen werden Forky und Woody gefangen gehalten, Buzz und Cowgirl Jessie eilen zur Hilfe, die verführerische Bo Peep – zu Deutsch: Porzellinchen – tritt mit ihrem Schäferstab auf den Plan... Tempo und Turbulenzen, bonbonbunt, schrill und witzig.

Im Subtext werden – der Spaß für die älteren Zuschauer – geradezu philosophische Fragen verhandelt: Wie ist es eigentlich, ein Spielzeug zu sein? Oder: Wie fühlt man sich als ehemaliges Lieblingsspielzeug, wenn man plötzlich verschmäht wird?

Viel Liebe zum Detail

Themen wie Loyalität und Selbstbestimmung kommen zur Sprache, es geht um Verantwortung und Verlust, um Abschied und Neuanfang. Klingt nach verqueren Kopfkino, ist es aber nicht, bleibt der Ton doch stets kindgerecht heiter - trotz milder Gruseleinlagen, wenn etwa eine sinistere Bauchrednerpuppe ins Spiel kommt, die sich dann als tragisches Geschöpf erweist. Wie bei den höchst erfolgreichen, originellen Vorläufern ist es auch hier die Liebe zum Detail, die besticht.

Zig wunderbare Miniaturen, sind eingebaut, die sich gekonnt ineinanderfügen. So wird man Zeuge eines Raubzugs oder der Liebesbeziehung zweier Spielzeuge. Technisch höchstes Niveau wird geboten, der Geist von John Lasseter, der die Reihe 1995 ins Leben rief, ist in jeder Szene spürbar, wobei der unverwechselbare Look nie zum Selbstzweck verkommt. Verlieren kann man sich in den wunderschönen Hintergründen und vergisst bald, dass es sich um eine animierte Märchenwelt handelt.

Zum Thema