Kino

Eine berührende Liebesgeschichte

Archivartikel

„Marianne & Leonard – Words of Love“: Doku-Drama schildert die Beziehung des Musikers Leonard Cohen zu seiner Muse

Eine Frau auf dem Sterbebett. Sie weint vor Rührung, als ihr der Brief eines früheren Geliebten vorgelesen wird: „Marianne, wir sind nun beide in dem Alter angekommen, da unsere Körper langsam anfangen zu vergehen – und ich denke, dass ich dir bald folgen werde“, schreibt der ebenfalls 81 Jahre alte Leonard. „In dem Wissen, dass ich so nah bei dir bin, kannst du einfach deine Hand ausstrecken, und ich denke, du wirst meine erreichen.“

Es sind Worte der Zuneigung und der Trauer. Wäre dies eine fiktive Geschichte – es könnte zu viel sein an Intimität. Aber alles in diesen gefilmten Bildern ist echt. Der Brief des kanadischen Singer-Songwriters Leonard Cohen (1934-2016) an seine Lebenspartnerin der 60er Jahre, die gut drei Monate vor ihm gestorbene Norwegerin Marianne Ihlen, bildet den Schlusspunkt von „Marianne & Leonard – Words of Love“.

Das rund 100-minütige Werk des Dokumentarfilmers Nick Broomfield schildert eine jahrzehntelange Beziehung und zeichnet zugleich ein faszinierendes Cohen-Porträt. Neben eigenem Material nutzte der Brite Broomfield Aufnahmen, die der legendäre, 2019 gestorbene US-Kollege D.A. Pennebaker einst von Marianne Ihlen gemacht hatte.

Vom Kennenlernen und Alltag auf der griechischen Insel Hydra über Entfremdung und sporadische Kontakte seit den 70er Jahren bis zum Sterbebett-Schluss: Die Liebesgeschichte der sanften Marianne Ihlen und ihres intellektuellen Künstlerfreundes Leonard Cohen ist eine der schönsten der Musikhistorie – nicht nur weil damit ikonische Lieder wie „So Long, Marianne“ und „Bird On The Wire“ eng verbunden sind. Pünktlich zu Cohens drittem Todestag am 7. November kommt die Dokumentation in die Kinos.

Großer Verführer

So intensiv die Beziehung von Ihlen und Cohen zeitweise auch war – gleichberechtigt war sie nicht. „Ich war die griechische Muse, die zu seinen Füßen saß“, sagte Ihlen später. Zwar hätten für Cohen „Schreiben und Liebemachen“ auf der Hippie-Insel Hydra quasi zum normalen Tagesablauf gehört. Doch Marianne und ihr von einem norwegischen Ehemann stammender Sohn Axel waren für den aufstrebenden Autor weit weg, sobald er wieder in seine zweite Heimat Kanada zurückkehrte oder im Künstler-Hotspot New York war.

Auch Ihlen genoss den libertären Lebensstil der 60er. Doch Cohen war eben nicht nur ein talentierter Dichter und mit seinem Debüt von 1967 ein erfolgreicher Musiker, sondern zudem ein großer Verführer. „Er schaffte es, dass sich Frauen durch ihn gut fühlten“, heißt es in einem Interview in Broomfields Film. Spätestens mit Cohens Suche nach neuer Inspiration kam der Bruch mit Ihlen. Immer seltener war er bei Marianne. „Ich wollte ihn in einen Käfig stecken, abschließen und den Schlüssel runterschlucken“, sagte Ihlen über diese Zeit. Zwar beschwor Cohen noch beim Festival auf der Isle of Wight 1970 die Nähe der Freundin („Ich hoffe, sie ist hier“). Doch das Lied „So Long, Marianne“ hatte sich wohl längst bewahrheitet.

Drogen, Sex, das freie Lebensgefühl der Sixties und Seventies – auch über Cohens Zeit nach Marianne erzählt Broomfields Film. „Ich weiß nicht, hinter was er herjagte“, wunderte sich später sein Freund und Co-Songschreiber Ron Cornelius. Ihlen ging zurück nach Norwegen, wo sie nochmals heiratete und im Juli 2016 starb. Cohen lebte als Mönch in einem buddhistischen Kloster, verlor durch Betrug viel Geld und trat auch wegen des finanziellen Drucks seit 2008 als alter Mann wieder bei umjubelten Konzerten auf.

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