Kino

Geburtstag Claudia Cardinale wird morgen 80 Jahre alt / Diva bekannt aus Filmen wie „Der Leopard“

Eine der Größten des Schauspiels

Wann ist man berühmt? Wohl spätestens dann, wenn man ein filmisches Denkmal gesetzt bekommt. In Form einer Leinwandbiographie – oder, fast besser noch, wenn man sich im Kino selbst spielen darf. Wie Claudia Cardinale (kleines Foto vom 9. April 2018) beispielsweise in „Ein Sommer in La Goulette“, einer 1995 entstandenen tunesisch-französisch-belgischen Komödie von Férid Boughedir. In einem Gastauftritt ist sie da an der Seite ihres Kollegen Michel Boujenah („Drei Männer und ein Baby“) zu sehen. Beide sind in Tunis geboren, beide im arabischen Land überaus populär. Seine Reverenz hat der Regisseur ihnen erwiesen, ihrem Mythos gehuldigt.

Eine Legende war Cardinale da längst, vielfach prämiert, wobei die ganz großen Auszeichnungen, darunter der Goldene Ehrenbär der Berlinale (2002), der französische Verdienstorden L’ordre national de la Légion d’honneur (2008) sowie der Benazir Bhutto World Tolerance Award (2009) noch folgen würden – nicht zu vergessen, zugegebenermaßen eine Nummer kleiner, der Preis des Filmfests Ludwigsburg 2003.

Italiens Antwort auf Bardot?

Mit einem Preis hatte alles auch angefangen: Einen Schönheitswettbewerb gewann Cardinale 1957 in ihrer Heimatstadt, wo sie am 15. April 1938 zur Welt gekommen war. Tunesien war damals ein französisches Protektorat, ihre Mutter hatte sizilianische Wurzeln. Claudia Cardinale lernte Sprachen, auch Italienisch – passend zum Titel, den sie in der Konkurrenz errungen hatte: „Schönstes italienisches Mädchen“. Der Lohn: eine Reise zu den Filmfestspielen von Venedig. Der Beginn einer steilen Karriere.

In Italien blieb sie zunächst, begann am Centro Sperimentale di Cinematografia in Rom ein Schauspielstudium und wurde vom Filmproduzenten Franco Cristaldi („Der Name der Rose“) – er war von 1966 bis 1975 ihr Ehemann und wollte sie zur italienischen Bardot machen – entdeckt. An der Seite von Omar Sharif debütierte sie in Jacques Baratiers Drama „Goha“. Schnell, leicht fasste sie im Filmgeschäft Fuß, wegen ihres strahlenden Äußeren zunächst, ob ihrer üppigen Formen und funkelnden Augen – und nicht zuletzt dank ihrer enormen Leinwandpräsenz. Kleine Rollen waren es zunächst, in Mario Monicellis „Diebe haben’s schwer“ etwa. Im Jahr 1960 schaffte sie den Durchbruch beim Publikum mit Abel Gances Historienabenteuer „Austerlitz – Glanz einer Kaiserkrone“, bei der Kritik mit der Rolle der Ginetta in Luchino Viscontis Familiendrama „Rocco und seine Brüder“.

„CC“, analog zu Brigitte Bardots „BB“, war im Kinoolymp angekommen. Die 1960er-Jahre waren ihre Zeit. Nie strahlte sie schöner, nie war sie sinnlicher, verführerischer. Sie avancierte zum italienischen Superstar, auf Augenhöhe mit Sophia Loren, Gina Lollobrigida und Monica Vitti. Sie wurde häufig engagiert – inzwischen hat sie in mehr als 120 Produktionen mitgewirkt. Sie reifte, zeigte sich dramatischen und komischen Rollen gewachsen, ließ den Status der „Kurven-Königin“ hinter sich.

Mit Visconti drehte sie „Sandra – Die Triebhafte“ und „Der Leopard“, unvergessen ihre Ballszene mit Burt Lancaster und Alain Delon. Sie war die Farmersfrau, Prostituierte und US-Urmutter in Sergio Leones Westernklassiker „Spiel mir das Lied vom Tod“. Allein mit ihren Auftritten in diesen Werken schrieb sie Filmgeschichte.

In den 1970er- und 1980ern konnte man sie vermehrt in internationalen Produktionen bewundern, darunter – neben Klaus Kinski – in Werner Herzogs Filmabenteuer „Fitzcarraldo“ sowie Mafiakrimis wie „Corleone“ oder „Ein Mann aus Stahl und Eisen“. Beide in Szene gesetzt hat Pasquale Squitieri, mit dem sie von 1975 bis 1999 zusammenlebte. Denn, so sagte Claudia Cardinale: „Ehe funktioniert am besten, wenn beide Partner ein bisschen unverheiratet bleiben.“

Info: Fotostrecke unter: morgenweb.de/kultur

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