Kino

Erbitterte Kämpfe auf See

Archivartikel

„Midway – Für die Freiheit“: Roland Emmerich begibt sich in den Pazifikkrieg

Ein Kriegsfilm, ein Remake von Jack Smights „Midway“ (1976). Rekapituliert wird die Schlacht um das rund sechs Quadratkilometer kleine titelgebende Atoll, auf dem sich ein US-Luftwaffenstützpunkt befand. Vom 4. bis zum 7. Juni 1942 hatten sich amerikanische und ihnen hoch überlegene japanische Verbände da erbitterte Kämpfe geliefert – bis die Truppen des Tennos vernichtend geschlagen wurden. Ein Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg, in den die Vereinigten Staaten nach dem Überfall auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 eingetreten waren. Mit dieser Attacke beginnt – nach kurzem Prolog, bei dem sich Nachrichtenoffizier Edwin Layton (Patrick Wilson) und Admiral Yamamoto (Etsushi Toyokawa), einst Militärattaché in den USA, bei einer Konferenz austauschen – „Midway – Für die Freiheit“.

Regisseur Roland Emmerich, einst als „Spielbergle aus Stuttgart“ belächelt, spätestens seit „Independence Day“ unumstrittener „Master of Desaster“, macht seinem Namen alle Ehre. Den Angriff aufs Hauptquartier der US-Flotte auf der Hawaii-Insel O’ahu stellt er zunächst nach. Jagdbomber tauchen auf, schießen aus allen Rohren. Sirenen heulen, Panik bricht aus. Zig Schiffe werden versenkt, Tote gilt es zu beklagen. Aber weil weder Flugzeugträger noch Treibstofflager getroffen werden, relativiert sich der Erfolg des Coups. Umgehend wird ein Gegenschlag geplant.

Den Gesetzen des Genres folgend, werden nun die Protagonisten – und späteren Helden – eingeführt, darunter der waghalsige Pilot Richard Best (Ed Skrein), der unkonventionelle Oberkommandierende Admiral Chester Nimitz (Woody Harrelson), der an einer Hautkrankheit leidende Vize-Admiral „Bull“ Halsey (Dennis Quaid) und der geniale Codeknacker Joseph Rochefort (Brennan Brown), der seinen Dienst schon mal im Schlafanzug versieht. Die üblichen Typen mit ihren ureigenen Marotten, fast alle nach realen Charakteren modelliert. Was der Abspann belegt, in dem die Schauspielergesichter mit Aufnahmen ihrer Vorbilder überblendet werden und Inserts erklären, welche Auszeichnungen sie erhielten.

Recht streng an die Fakten hält sich der Filmemacher, springt zwischen den Schauplätzen hin und her, berichtet abwechselnd aus der Sicht von Freund und Feind. Zum leichteren Verständnis wird man via Texteinblendungen über Zeit und Handlungsort informiert. Selbst vermeintliche Nebenschauplätze, etwa den legendären „Doolittle Raid“, bei dem Bomber im April 1942 Japans Hauptstadt ins Visier nahmen – Mervyn LeRoy erinnerte in „Dreißig Sekunden über Tokio“ bereits 1944 an das propagandawirksame Husarenstück –, werden nicht vergessen. Besonders schön ist in dem Zusammenhang, dass Wes Tooke den berühmten (Western-)Regisseur John Ford (Geoffrey Blake) ins Drehbuch geschrieben hat, der im Regierungsauftrag damals als Lieutenant Commander vor Ort den 18-minütigen Dokumentarfilm „The Battle of Midway“ („Schlacht um Midway“) realisierte.

Aller Rest ist versiert gehandhabtes Actionkino, für 77 Millionen Dollar, darunter chinesisches Geld, vergleichsweise preiswert in nur 65 Tagen in Szene gesetzt – typisch für den Mann aus Schwaben. Dies schlägt sich in den Tricks und Effekten nieder, die man schon besser gesehen hat. Dennoch fühlt man sich mitten im Schlachtgetümmel. Spektakuläre subjektive Sturzflugaufnahmen, infernaler Dauerbeschuss, Torpedos, die das Wasser durchpflügen, Flakflecken am Himmel, Rauchschwaden, Feuersbrünste – alles da. So natürlich auch der bombastische Soundtrack von Harald Kloser und Thomas Wanker. Sogar zwei sympathischen Frauenfiguren werden bei diesem Männerfilm – Stichwort emotionale Momente – Kurzauftritte gewährt. Und final dürfen Mandy Moore und Rachael Perrell Fosket als besorgte Gattinnen ihre tapferen Hälften wieder in die Arme schließen.

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