Kino

„Es ist der Endpunkt der bisherigen Ära“

„X-Men: Dark Phoenix“: Sophie Turner alias Jean Grey erzählt im Interview über die Dreharbeiten und Lieblings-Superkräfte

Miss Turner, im „X-Men“-Film vor drei Jahren waren Sie schon als Jean Grey mit von der Partie. Wussten Sie damals bereits, dass Ihre Figur nun im Mittelpunkt stehen würde?

Sophie Turner: Ich hatte keine Ahnung! Oder halt, sagen wir es lieber so: Als ich damals Jean Grey spielte, waren es bloß sehr vage Gerüchte, dass für den nächsten Film womöglich die „Dark Phoenix“-Geschichte aus den Comics adaptiert wird. Erst anderthalb Jahre später bat mich der Drehbuchautor und Regisseur Simon Kinberg zum Lunch und weihte mich in die konkreten Pläne ein. Was mich erst einmal in eine ziemliche Panik versetzte.

Warum das denn?

Turner: Weil ich mich mit den Comics zumindest ein bisschen auskannte und wusste, dass dieser „Dark Phoenix“-Handlungsstrang, in dem die andere, dunkle Seite von Jeans Persönlichkeit zutage tritt, für viele Fans eine echt große Sache ist. Dadurch fühlte ich mich schon einigermaßen unter Druck gesetzt. Aber gleichzeitig war es natürlich auch eine echte Ehre und tolle Herausforderung, dass man mir diese Aufgabe zutraute.

In den frühen „X-Men“-Filmen wurde Jean Grey von Famke Janssen gespielt. Haben Sie sich angeschaut, was die Kollegin damals gemacht hat?

Turner: Nicht dieses Mal, aber als ich die Rolle für „X-Men: Apocalypse“ das erste Mal spielte. Als alter Fan kannte ich die Filme natürlich sowieso, aber ich habe alle mit Famke noch einmal gesehen. Im Grunde war das nicht nötig, denn inzwischen war ja die „X-Men“-Welt mit ihren Figuren noch einmal ganz neu aufgelegt worden. Aber Famke war als Jean so fantastisch, elegant und athletisch, dass ich irgendwie eine kleine Kontinuität herstellen wollte. Also habe ich versucht, so gut es geht ihre Gestik zu kopieren.

Grey hat in „X-Men: Dark Phoenix“ enorme Superkräfte. Wenn Sie sich eine Superhelden-Fähigkeit aussuchen könnten, welche wäre das?

Turner: Ich würde mir die Superkraft wünschen, allen Menschen Empathie und Liebe zu verpassen, damit wir alle nur noch nett zu einander sind und niemand mehr mit Angst und Terror regiert, sondern nur noch mit Liebe und Mitgefühl. Wäre das nicht schön (lacht)?

Apropos Superkräfte: Woran denkt man in den Szenen, in denen man atemberaubende Dinge geschehen lässt, die aber alle erst nachträglich ins Bild montiert werden?

Turner: Die meiste Zeit dachte ich nur, dass ich gerade wie ein verdammter Idiot aussehe (lacht). Denn diese Szenen können wirklich ziemlich peinlich sein. Weil meine Haare nachträglich am Computer animiert wurden, hatte ich eine nach Glatze aussehende Kappe auf dem Kopf. Außerdem hing ich – dank einer Parallelogram genannten, schwer zu beschreibenden Konstruktion – auf einer Art Fahrradsitz in der Luft und trug eine lila Jacke mit riesigem Kragen, in der ich mir vorkam wie der Zeichentrick-Bösewicht Megamind (lacht). Statt cool und mächtig fühlte ich mich in diesen Momenten also immer eher lächerlich. Aber immerhin wurde meine Fantasie als Schauspielerin ordentlich gefordert.

Ist „X-Men: Dark Phoenix“ der Beginn einer neuen Trilogie?

Turner: Da fragen Sie die Falsche, ich habe keine Ahnung. Er ist auf jeden Fall der Endpunkt der bisherigen X-Men-Ära, die Kulmination aller vorangegangenen Filme. Über den Verlauf der letzten Filme wurde diese Patchwork-Mutanten-Familie immer enger zusammengeschweißt, hier nun wird sie vehement auseinandergerissen. Wohin das führt, wird sich zeigen.

Ist es für Sie noch etwas Besonderes, mit Superstars wie Jennifer Lawrence oder Michael Fassbender zu arbeiten?

Turner: Dass ich eine Szene nur mit Michael drehen durfte oder Tag für Tag von Jennifer und Jessica Chastain umgeben war, finde ich bis heute schwer zu glauben. Vor allem Jessica wurde fast zu einer Art Mentorin für mich, die mein Selbstbewusstsein enorm gestärkt und mir wirklich geholfen hat. Aber ja, klar, vor allem am Anfang machte mich das unglaublich nervös. Schließlich sind das alles gefeierte, preisgekrönte Schauspielgrößen – und ich bin das kleine Mädel aus „Game of Thrones“.

Wie fühlt es sich an, das Kapitel „Game of Thrones“ abgeschlossen zu haben?

Turner: So ganz realisiert habe ich es immer noch nicht, dass Sansa Stark jetzt nicht mehr Teil meines Lebens ist. Und noch schwieriger als der Abschied von der Rolle fiel mir natürlich der vom Ensemble und unserem Team. Immerhin habe ich zehn Jahre meines Lebens mit diesen Menschen verbracht, sie wurden fast zu einer Art Ersatzfamilie und einem prägenden Einfluss meiner Jugend. Es ist schon ein sehr seltsames Gefühl, dass das nun vorbei ist. Aber ich freue mich jetzt auch darauf, mehr Zeit denn je für Neues zu haben.

Auch jenseits der Schauspielerei?

Turner: Das hoffe ich sehr. Ich interessiere mich wahnsinnig für Psychologie und würde eigentlich gerne viel mehr in diesem Bereich lernen. Vor allem Kriminalpsychologie finde ich sehr spannend.