Kino

Es zählt das Lokalkolorit

„Sauerkrautkoma“: Fünfter Eberhofer-Heimatkrimi nach Vorlage von Bestseller-Autorin Rita Falk

Heimatkrimis ohne Ende. In jedem Eck der Republik wird gemordet, im Harz, in der Uckermark oder der Kurpfalz, am Taunus oder Chiemsee. Das Verbrechen ist immer und überall. Im Fernsehen sind die Ermittler unermüdlich unterwegs, Verfassungsschützer, (Dorf-)Polizisten und Hobbykriminalisten mit vielsagenden Namen. Der Kluftinger etwa, gespielt von Herbert Knaup, oder Gisela Wegmeyer in Person von Johanna Bittenbinder. Zumindest ein wenig müssen die Herrschaften zum örtlichen Idiom neigen und die den Landstrichen zugeschriebenen Charaktereigenschaften besitzen.

Das Konzept trägt seit nunmehr gut zehn Jahren, trotz der Spötter, die (oft nicht zu Unrecht) behaupten, dass die Filme gerne „dumpfeln“, das Wort „Regionalkrimi“ verdächtig nach „Regionalliga“ klingt.

Constantin Film hat die Zeichen der Zeit jedoch richtig gedeutet, auf das Subgenre gesetzt und dessen Leinwandpotenzial erkannt. Kurzentschlossen entschied man 2013, die TV-Produktion „Dampfnudelblues. Ein Eberhoferkrimi“ zunächst auf der Leinwand auszuwerten. Der Beginn einer Erfolgsstory, wovon die inzwischen drei Fortsetzungen „Winterkartoffelknödel“, „Schweinskopf al dente“ und „Grießnockerlaffäre“ zeugen.

Auf der Bestsellerreihe nach den Vorlagen von Rita Falk basiert die Kultunterhaltung, die bislang 2,4 Millionen Besucher in die Kinos lockte. Und ein paar Hunderttausend mehr werden es jetzt mit „Sauerkrautkoma“ sicherlich werden.

Ewig missmutig

Nicht zuletzt dank des ewig missmutigen Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel), im fiktiven bajuwarischen Weiler Niederkaltenkirchen seines Zeichens „Dorfsheriff“, der wieder einmal unsanft aus seinem phlegmatischen Alltag gerissen wird.

Nix ist’s mehr mit den dick mit süßem Senf bestrichenen Leberkäs-Semmeln, nach München wird er wegen seiner guten Leistungen – das weiß sein schrulliger Vorgesetzter Moratschek (Sigi Zimmerschied) – versetzt.

Zum alten Kumpel Rudi (Simon Schwarz) zieht er in die Landeshauptstadt, wo er ausgerechnet dem Team seiner Nemesis „Thin Lizzy“ (Nora Waldstätten) zugeteilt wird. Ein Alptraum. Doch schon bald darf er zurück in heimatliche Gefilde. Im Kofferraum des Opel Admiral seines Vaters (Eisi Gulp) wird eine Leiche gefunden. Aufklärung tut Not, viel wichtiger ist aber, dass er vor Ort seinem alten Bekannten, dem schmierigen Geschäftsmann Karl-Heinz Fleischmann (Gedeon Burkhard), genannt „Fleischi“, Paroli bieten kann. Denn der macht seinem Dauer-Gspusi Susi (Lisa Maria Potthoff) den Hof …

Die arg dünne Story, erneut nach einem Skript von Stefan Betz, zählt nicht wirklich. Der Isarmetropolen-Kniff ist bald vergessen, es zählen das Lokalkolorit, die skurrilen Figuren und der verquere Humor – „Ein Heiratsantrag ist doch keine KFZ-Zulassung!“. Regisseur Ed Herzog steht der Sinn nach einer versiert abgespulten Nummernrevue. Lakonisch, frech, schwarzhumorig geht’s zur Sache. Die Susi zickt, der Papa kifft, die Omi (Ilse Neubauer) glänzt als Köchin.

Im örtlichen Etablissement ist „Männertag“ – „der Darkroom wäre wieder frei!“ –, der Maibaum wird abgeholzt, die Jungs geben besoffen Gas und hängen in der Resopal-Dorfwirtschaft ab – zu wummernden Rock-’n’-Roll-Klängen, beseelt von reichlich Jack Daniels. Kennt man hinlänglich, macht aber immer noch gute Laune, vor allem dank des starken Ensembles, das mit Spaß bei der Sache ist. Provinz ja, provinziell nein.