Kino

Familienfilm zum Thema Demenz

Archivartikel

„Romys Salon“: Eine Enkelin steht beherzt der hilfsbedürftigen Oma bei

Was tun, wenn die eigene Oma in ihrem Friseursalon auf einmal das Wechselgeld nicht mehr richtig herausgeben kann? Und den Kundinnen nach dem Lockenwickeln Kinderlollis zum Mitnehmen anbietet? Die zehnjährige Romy muss sich etwas einfallen lassen. Jeden Tag geht das Mädchen deswegen nach der Schule zur Oma in den Salon, weil ihre alleinerziehende Mutter bis spät arbeitet. Aus dem zunächst widerwilligen Arrangement wird eine verschworene Freundschaft, als Romy merkt, wie sehr die Großmutter ihre Hilfe braucht.

Aus dem Thema Demenz und all der darin wohnenden Unausweichlichkeit hat Regisseurin Mischa Kamp nach dem gleichnamigen Buch (und Drehbuch) von Tamara Bos einen berührenden, quicklebendigen Film gemacht, der sich wunderbar für einen Familien-Kinobesuch anbietet. Wie schon 2005 der Kinoerfolg „Ein Pferd für Winky“ zeichnet sich auch das neue Projekt des niederländischen Duos dadurch aus, dass es seine Figuren auf humor- und liebevolle Weise durch und durch ernst nimmt. Da wird nichts beschönigt oder effektheischend überzeichnet, dafür ehrlich geweint und gelacht.

Wieso schaffen das deutsche Kinderfilme so selten? Ein Vergleich mit Til Schweigers „Honig im Kopf“ liegt nahe, der zwar rührt, aber eben auch wesentlich rührseliger ist. Romy (wunderbar natürlich: Vita Heijmen) hingegen bleibt cool. Schnell entwickelt sie großes Geschick darin, die Aussetzer von Oma Stine (in ihrer Traurigkeit stark und schön: Beppie Melissen) zu kaschieren – sie lernt genießbaren Kaffee zu kochen, die neue Computerkasse zu bedienen und sogar die Locken der Stammkundinnen zu wickeln. Und ihre Oma belohnt sie dafür mit verrückten Ausflügen, nächtlichen Schwimmbadbesuchen und Shopping-Touren. Doch als Stine schließlich im Nachthemd im Salon steht und in der Plastikgießkanne Tee kocht, wird klar: Sie muss in ein Pflegeheim.

Dort spricht sie viel Dänisch, die Sprache ihrer Kindheit und Heimat, und Romy ist sich sicher: In Dänemark würde Stine glücklicher sein. Gedacht, getan: Die heimliche Reise von Großmutter und Enkelin wird zum Roadtrip, der die beiden –und schließlich die ganze Restfamilie – einmal mehr Traurigkeit und Verzweiflung, aber auch Glück und Gemeinschaft inmitten der Krankheit erleben lässt. Und die Zuschauer auch.

Zum Thema