Kino

Gefangene werden keine gemacht

"Good People": Regisseur Michael Cuesta verfilmt den Bestseller "American Assassin" von Autor Vince Flynn

Ein Film ganz nach Donald Trumps Geschmack. Urlaubsidylle zunächst. "Good people", "gute Menschen", die sich am Strand fröhlich entspannen. Unter ihnen ein junges Pärchen. Er braun gebrannt, sie formschön im weißen Bikini. Es wird gelacht, geschmust. Dann ein Heiratsantrag auf dem offenen Meer. Ein Urlaubsvideo, aufgenommen mit dem Handy. Eine Reminiszenz aus glücklichen Tagen. Denn die junge Frau, die Verlobte von Mitch Rapp, gespielt von Teenschwarm Dylan O'Brien aus "Maze Runner", lebt nicht mehr. Sie ist Opfer eines blutigen Attentats geworden. Wahllos haben Terroristen in die Menschenmenge geschossen, die Badegäste niedergemetzelt - eine erschreckende Szene, die die FSK-Freigabe ab 18 Jahren gleich verständlich macht. Ein Actioner, den inzwischen leider sattsam bekannten Nachrichtenbildern nachgestellt.

Erschreckend real

"American Assassin" basiert auf einem Buch der gleichnamigen Bestsellerreihe von Vince Flynn, das vierköpfige Autorenteam, darunter so renommierte Herrschaften wie Edward Zwick ("Last Samurai") und Marshall Herskovitz ("Jack Reacher: Kein Weg zurück") hat sich bei seiner Adaption einige Freiheiten genommen - so stirbt beispielsweise die Freundin im Roman bei einem Anschlag auf ein Flugzeug - und auch die Ernsthaftigkeit der Vorlage aus den Augen verloren. Die Zeichen stehen hier ausschließlich auf Rache, Regisseur Michael Cuesta, der immerhin einige Episoden der durchaus differenzierten (Anti-)Terrorserie "Homeland" inszeniert hat, interessiert sich lediglich für seine mutigen "men on a mission", für den gnadenlosen Feldzug gegen einen Agenten (Taylor Kitsch) mit dem vielsagenden Decknamen "Ghost" ("Geist"), der 15 Kilogramm waffenfähiges Plutonium in seinen Besitz gebracht hat.

Nach dem furiosen Opener geht's dann zwecks Entschleunigung in ein Ausbildungslager, das sich, wie Genrefreunde wissen, natürlich tief im Wald befindet. Das Kommando führt, im Auftrag der CIA, der altgediente, bärbeißige und ewig grimmig dreinblickende Ex-Navy SEAL Stan Hurley (Michael Keaton).

Die Ausbildung

Fünf Männern und einer Frau - Shiva Negar ("24 Hour Rental"), die in der Folge für eine wenig überraschende Plotvolte verantwortlich ist - werden nun zu Mordmaschinen ausgebildet. Nahkampf wird geübt, gezeigt wie man überdimensionale Messer in den Hals rammt bzw. aus allen Lebenslagen und allen Rohren feuert.

Bestens trainiert geht's dann zur Sache. Ziel ist, so bringt es der wuschelköpfige Musterschüler Mitch auf den Punkt, "Menschen zu töten, die es verdient haben". Diese Aussage sollte man besser nicht hinterfragen - wie das ganze (Mach-)Werk, das eigentlich ausschließlich auf Schock und Spektakel setzt.

Die bescheidenen 33 Millionen US-Dollar Budget hat man, sieht man vom tricktechnisch schwachen Schluss ab, äußerst effektiv eingesetzt, besonders hervorzuheben gilt es die packende Kameraarbeit von Enrique Chediak ("Deepwater Horizon"). Das gute alte Europa - wo bekanntlich bärtige (IS-)Schurken fern der USA gerne ihr Unwesen treiben - wird bereist, in Istanbul und Rom Station gemacht. Im Mittelmeer kommt es zu einer gewaltigen Explosion, ein Schiff sinkt, ein Hubschrauber stürzt krachend ab. War im Kalten Krieg noch die Sowjetunion das Bösen, ist es nun der Iran, der trotz Atomabkommen schmutzige Bomben baut. Gut, dass es da Jungs wie Mitch und Stan gibt, die für "law und order" sorgen, während im Hintergrund CIA Deputy Director Irene Kennedy (Sanaa Lathan) die Fäden zieht. Sollte dieser krude, in seiner Botschaft höchst fragwürdige (Spionage-)Thriller beim Publikum ankommen, werden die Produzenten mit dem geplanten Franchise wohl Ernst machen.