Kino

„Werk ohne Autor“: Florian Henckel von Donnersmarcks neuer Film kommt in die Kinos

Größenwahnsinnig im besten Sinne

Archivartikel

Elf Jahre nach dem Oscar-Gewinn mit seinem Debüt „Das Leben der Anderen“ bringt Florian Henckel von Donnersmarck seinen dritten Spielfilm in die Kinos (2010 gab’s den Thriller „The Tourist“). Für „Werk ohne Autor“ ließ sich der 45-jährige Regisseur von wahren Ereignissen inspirieren. So ist die Hauptfigur des Kurt Barnert angelehnt ans Leben einer deutschen Künstlerikone: Gerhard Richter. Gespielt wird er von Tom Schilling.

Barnert (Schilling) wächst im Dresden der Nazi-Zeit auf. Er lernt die Kunst lieben, seine Begabung schätzen. In der DDR darf er sein Tun an der Kunstakademie verfeinern, Propagandabilder fürs System malen. Mit seiner großen Liebe aber (Paula Beer) geht Barnert in den Westen, um an der von unterschiedlichsten Nachkriegsströmungen vitalisierten Düsseldorfer Kunstakademie weiter zu üben.

En passant erzählt Donnersmarck davon, wie Barnert sukzessive herausfindet, dass sein Schwiegervater (Sebastian Koch) als Arzt am Euthanasieprogramm der Nazis beteiligt war und mitverantwortlich ist für die Ermordung von Kurts geliebter Tante. In Düsseldorf gelingt es Barnert nicht nur, sich zu etablieren; über die Malerei vermag er auch, sich auf die Traumata in seiner Vita einen Reim zu machen.

Donnersmarck schart eine beachtliche Zahl bekannter deutscher Darstellern um sich: Von dem so bewegend agierenden Tom Schilling bis zu Sebastian Koch, dessen chamäleonartige Wandlungs- und Anpassungsfähigkeit ans jeweils vorherrschende Polit-System frösteln macht. Es drängt sich aber die Frage auf, warum der Regisseur die Figuren, die nach realen Vorbildern geschaffen sind, nicht beim Namen nennt. Warum darf Gerhard Richter im Kino nicht so genannt werden? Warum heißt Beuys hier anders? Dem Regisseur geht es wohl um das filmische Porträt eines Landes, das im 20. Jahrhundert manch Systemwechsel erlebte. Sieht man von politischen und historischen Implikationen ab (was angesichts der Themen nicht leicht fällt), ist „Werk ohne Autor“ ein, von Caleb Deschanel famos fotografierter Film.

Manche Szene jedoch mutet mehr wie ein Filmzitat als wie echtes Leben an. Dagegen kann man sich in den toll komponierten, Sinn für Bildgestaltung unter Beweis stellenden Tableaus des Films wirklich auch verlieren.

„Werk ohne Autor“ ist ein (im guten Sinn) größenwahnsinniger Film. Wann zuletzt hat ein deutscher Regisseur von Rang einen 188-Minüter lanciert? Wann war zuletzt ein hiesiger Film so angefüllt mit Schauwerten, wie man sie aus goldenen Hollywood-Zeiten kennt?