Kino

Großstadtgedicht über die Liebe

„Berlin, I Love you“: Episodenfilm handelte sich im Vorfeld bereits viel Kritik ein – nicht zu unrecht

Wenn bei einem neuen Film mehr über seine Entstehung als über den Inhalt gesprochen wird, dann deutet das auf gehörige Probleme hin. „Berlin, I Love You“ ist so ein Fall. Schon im Vorfeld gab es Häme von einigen Bewohnern der Stadt und sogar einen kleinen Skandal um den chinesischen Künstler Ai Weiwei. Der Regimekritiker hatte einen Kurzfilm für den Episodenreigen gedreht, erlebte aber dann eine Überraschung: Sein Teil war herausgeschnitten worden.

Bereits für den Werbeclip gab es viel Spott. Berlin, das ist immerhin die Stadt, in der alte Matratzen am Straßenrand liegen. In der Filmvorschau jedoch wirkte die Metropole wie ein aufgeräumtes Jeder-findet-seine-große-Liebe-Paradies.

Genauso sahen bereits die anderen Teile der Reihe aus. „Cities of Love“ heißt sie – Episodenfilme, die in einer Großstadt mit Kurzfilmen berühmter Regisseure von der Liebe erzählen. „Paris, je t’aime“ spielte 2006 mehr als 17 Millionen Dollar ein und „New York, I love you“ zwei Jahre später kam immerhin noch auf rund acht Millionen Dollar. Es folgten Tbilisi und Rio – und nun eben die deutsche Hauptstadt.

Helen Mirren und Keira Knightley spielen in einer Episode über ein Flüchtlingskind Mutter und Tochter, Mickey Rourke lernt in einer weiteren Episode in einer Bar eine mysteriöse Frau kennen und Hannelore Elsner ist in einer ihrer letzten Rollen zu sehen. Inszeniert wurden die Teile unter anderem von Dani Levy, Dennis Gansel und Peter Chelsom.

Die Faszination Berlins bleibt spröde und die Zuschauer fühlen sich wie Reisende, die mit Jetlag durch hohle Kulissen tapsen. „Ist das typisch Berlin?“, fragt eine Figur im Film. „Nein, nichts ist typisch Berlin“, so die Antwort. Das aber ist genauso uninspiriert wie dieser komplett verzichtbare Kurzfilmkatalog.

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