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Archivartikel

„John Wick: Kapitel 3“: Keanu Reeves ist erneut als unkaputtbarer Auftragskiller unterwegs

Intellektuell geht es los. „Si vis pacem, para bellum“, steht auf der Leinwand zu lesen. Ins Deutsche lässt sich das lateinische Sprichwort mit „Wenn du Frieden willst, bereite dich auf Krieg vor“ übersetzen. Von Bedeutung sind in diesem Zusammenhang aber nur die letzten beiden Worte, zusammengeschrieben „Parabellum“, was wiederum die Luger-Selbstladepistole bezeichnet. Die kommt bei „John Wick: Kapitel 3“ – US-Untertitel: „Parabellum“ – reichlich zum Einsatz. Ein Hinweis aufs folgende große Ballern.

Doch von Anfang an: Profikiller Jonathan Wick (Keanu Reeves), genannt John, hetzt durchs regnerische New York. Der schwarze Anzug ist klatschnass, das schwarze Haar klebt am Kopf, neben ihm trabt sein Hund. Vom ersten Moment an ist der Actioner des Ex-Stuntmans Chad Stahelski eine atemlose Hatz.

Rudimentäres Drehbuch

Der Grund: Auf Wick ist ein Kopfgeld von 14 Millionen Dollar ausgesetzt, weil er – siehe Teil 2 – im Continental Hotel einen Gangsterboss getötet hat. Ein Regelbruch, gilt die von Winston (Ian McShane) geleitete Nobelherberge für die Killer dieser Welt doch als neutraler Boden.

Von nun an ist der „Excommunicado“, der „Ausgeschlossene“, vogelfrei, die gesamte Unterwelt heftet sich an seine Fersen. Zunächst sucht er aber kurz einen Hinterzimmer-Doktor auf, es gilt eine Wunde zu versorgen, was die genreübliche Gänsehaut erzeugende Nadel-und-Faden-durch-Haut-Szene ermöglicht. Dann geht’s in eine Bibliothek, wo schon die ersten Bösewichte lauern – Schaukästen gehen zu Bruch, Schwerter werden geschwungen und in Leibern und Köpfen versenkt.

Gewohnt rudimentär ist das Drehbuch der vier aufgelisteten Autoren, unter ihnen wieder Derek Kolstad und der in Sachen Blutzoll versierte Chris Collins („Sons of Anarchy“). Im Prinzip werden lediglich Schießereien und Schlägereien nonstop aneinandergereiht. Aber die haben es in sich und sind virtuos inszeniert. Anjelica Huston („Die Ehre der Prizzis“) absolviert als The Director, ihres Zeichens russische Clan- und gestrenge Ballettchefin, einen Kurzauftritt, ermöglicht Wick eine Verschnaufpause. Bald darauf taucht er bei Kollegin Sofia in Person von Halle Berry auf, die zwei überaus bissige Vierbeiner besitzt und beweist, dass sie sich als Ex-Bond-Girl noch bestens darauf versteht, sich ihrer Haut zu erwehren.

Zwecks Optik wird zwischendurch der Nahe Osten besucht, da darf der Held – ohne Outfitwechsel – unter gleißender Sonne durch den Wüstensand eine pittoreske Düne hinaufstapfen, nur um in der nächsten Sequenz auf einem Motorrad durch die Big-Apple-Straßenschluchten zu brausen, wild um sich schlagend, böse Verfolger nachdrücklich abschüttelnd. Sogar hoch zu Ross wird er urban tätig – Multitalent und Überlebenskünstler.

Satter Turbo-Ton

Unterstützung findet er beim Concierge des Continental, den Lance Reddick mit nobler Lässigkeit gibt; als weiterer getreuer Unterstützer tritt Laurence Fishburn – Reeves’ Kollege bereits in der „Matrix“-Trilogie – in Erscheinung. Taubenzüchter ist er – die hinterlassen nämlich keine „digitalen Fußspuren“, wie er sagt – und König der Bowery, ein moderner Brecht’scher Peachum, der mit eiserner Hand die Slums der Millionenmetropole regiert.

Die Fans werden sich über die bekannten Gesichter und den satten Turbo-Ton freuen. Extrem „fast and furious“ ist die angeblich letzte Ausgabe des Franchise. Gewohnt gut ist die nostalgisch anmutende Ausstattung, von höchster Qualität sind die Stunts. Ein anarchisches Spektakel, handwerklich makellos gestaltet. Nur Sinn und Seele fehlen.