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„Intrige“: Das neue Drama von Oscarpreisträger Roman Polanski

„J’accuse“, ich klage an – so heißt der neue Film von Roman Polanski im Original. Obwohl der Oscarpreisträger darin von einem politischen Skandal erzählt, der das Land vor über 100 Jahren erschütterte, könnte der Titel als persönliche Abrechnung des Regisseurs verstanden werden. Immerhin holten Polanski im Zuge der #MeToo-Bewegung seine Vergangenheit.

In seinem Werk „Intrige“ thematisiert der 86-Jährige eine verlogene Gesellschaft, der die Wahrheit nicht so wichtig ist wie Vorverurteilungen und der Erhalt von Macht. Der Film spielt in Paris Ende des 19. Jahrhunderts. 1894 wird Alfred Dreyfus (Louis Garrel) von einem Militärgericht wegen Hochverrats verurteilt und aus der Armee entlassen. Er beteuert seine Unschuld, wird aber verbannt. Das Volk jubelt, die Militärs atmen auf. „Die Römer gaben den Löwen Christen, wir geben ihnen Juden“, sagt einer.

Major Picquart (Jean Dujardin) wird danach befördert. Er hatte sich aus Sicht der Regierung in der Dreyfus-Affäre bewährt und wird im Auslandsnachrichtendienst Abteilungsleiter. Dort fallen ihm Missstände und Missmanagement auf. Bei seinen Recherchen zum Fall Dreyfus stößt er auf ein Geflecht aus Lügen und Intrigen. Die Wahrheit war einigen Verantwortlichen egal. Lieber glaubten sie Gerüchten, die ihre Hierarchien stärkten und ihr Weltbild bestätigten.

Diesen Stoff inszeniert Polanski als ein mit seinem ruhigen Sog packendes Drama. Denn die Aufarbeitung des Falles ist kompliziert und riskant. Vor allem aber wird so erst das juristische und politische Ausmaß der Affäre deutlich, die die Regierung in eine Krise stürzen wird. „J’accuse“ steht schließlich auf der Titelseite einer Tageszeitung – und so nennt Polanski seinen Film. Darin behandelt er ausschließlich die Dreyfus-Affäre. Dennoch fragt man sich, ob er nicht auch eine persönliche Geschichte erzählt. 1977 hatte er Sex mit einer 13-Jährigen und floh vor der Urteilsverkündung aus den USA. Das Opfer selbst setzt sich für die Einstellung des Verfahrens ein. Doch die US-Justiz hält daran fest, und im Zuge der #MeToo-Bewegung wurde Polanski aus der Oscarakademie ausgeschlossen. Mit „Intrige“ beweist er nun erneut, dass er zu den großen Filmemachern gehört „Intrige“ regt zum Nachdenken an – über Polanski, aber auch Parallelen zu aktuellen Entwicklungen.

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