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Humorvoller Kampf um den Job

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„Late Night – Die Show ihres Lebens“: Emma Thompson spielt eine erfolgsverwöhnte Talkmasterin

43 Emmys hat sie gewonnen, seit 28 Jahren moderiert sie die Late Night Show bei einer amerikanischen TV-Anstalt: „Tonight with Katherine Newbury“. Eine Erfolgsstory. Und so soll es, wenn es nach der taffen Britin geht – „gibt es in den USA denn keine weiblichen Komiker?“, fragt sie frech, als ihr wieder einmal ein Preis überreicht wird –, bleiben. Wären da nicht die fallenden Quoten, bekanntlich der Maßstab, an dem die Qualität einer Sendung gemessen wird. Ihre nicht minder energische Arbeitgeberin Caroline Morton (Amy Ryan), Katherines (Emma Thompson) Vorgesetzte, schaltet sich ein und kündigt an, dass sie ihre Frontfrau im folgenden Jahr durch einen neuen Moderator zu ersetzen gedenkt.

Relikt aus alten Zeiten

Katherine ist entsetzt – und empört. Gatten Walter (John Lithgow) klagt sie ihr Leid. Dessen Reaktion: „Die Show ist schon seit Jahren nicht mehr gut!“ Eine Tatsache. Die Talkerin tritt auf der Stelle. Professionell spult sie ihre Witze ab, ihr altes Publikum liebt sie immer noch. Aber die neue Generation erreicht sie nicht. Mit den sozialen Medien kann sie nichts anfangen, Feminismus hält sie für albern und mit der #MeToo-Debatte hat sie nichts am Hut. Sie ist ein Relikt. Jedoch nicht bereit, sich ins Abseits manövrieren zu lassen. Kampf ist angesagt, frischer Wind gefragt. Auftritt Molly (Mindy Kaling). Sie ist „verrückt nach Comedy“, „Effizienzexpertin“ eines Chemiekonzerns und hält dort die Mitarbeiter mit Scherzen bei Laune: „Wenn ihr ein Problem habt, fragt eine Chemikerin. Sie hat immer eine Lösung.“

Brad (Denis O’Hare), Katherines leidgeprüfter leitender Redakteur, stellt sie an – nicht ehe er nachgefragt hat, ob es nicht auch ein „Schwuler“ tun würde. Denn das alteingesessene Autorenteam besteht ausschließlich aus Männern, verängstigte Duckmäuser, deren Namen ihre Chefin nicht kennt und deren Zorn sie fürchten. Anders da die dralle, ewig optimistische Molly mit ihren indischen Wurzeln, die schnell das Problem der Show ausmacht: „Bequemlichkeit“. Womit sie Katherine auf die Palme bringt. Unverschämtheit! Sofort liegen sich die Frauen in den Haaren – freilich nur bis zum vorhersehbaren Happy End.

Vom Zusammenspiel von Thompson und Kaling lebt die Arbeit, die gleichzeitig Satire aufs moderne Fernsehgeschäft und seine Unarten ist. „Old school“ trifft auf „new school“, zwei Generationen von Comediennes kreuzen die Klingen.

Zu milde Frauensache

Dem trockenen, bärbeißigen Witz der Britin setzt die in den Vereinigten Staaten populäre Stand-up- und Fernsehkomikerin Kaling („The Mindy Project“) die durchgeknallten Gags unserer Tage gegenüber – nach eigenem Drehbuch, mit der TV-geschulten Nisha Ganatra („Transparent“) als Regisseurin. Eine Frauensache, die (zu) milde ausfällt. Man hätte sich mehr bissige Pointen wie bei den „Saturday Night Live“-Gastgeberinnen Tina Fey, Amy Poehler oder Kristen Wiig gewünscht.

Was der Unterhaltung dennoch keinen Abbruch tut. Wie immer ist es ein Vergnügen Oscar-Preisträgerin Thompson, durchgedrückter Rücken – elegant gewandet, modische Kurzhaarfrisur – zuzusehen, wie sie austeilt, sich selbstironisch gibt („Tom Cruise ist so alt wie ich. Er darf gegen die Mumie kämpfen. Ich bin die Mumie.“) und Molly schließlich um Hilfe bittet. Die kontert sofort: „Keine Wutanfälle. Und keine vernichtenden Blicke mehr.“ Darauf Katherine: „So sehe ich nun mal aus.“ Gut so!

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