Kino

„Indiana Jones“ als Vorbild

„Dora und die goldene Stadt“: James Bobin hat die Vorschulkinder-Zeichentrickserie aufbereitet

Kids kennen „Dora“. Aus acht Staffeln der zwischen 2000 und 2015 ausgestrahlten Nickelodeon-Zeichentrickserie, die durch geschickt eingebaute pädagogische Elemente und eine Latina-Protagonistin überraschte. Unter Vorschulkindern waren die 196 Folgen sehr beliebt. Den Gesetzen des Markts folgend ist der Film „Dora und die goldene Stadt“ nur konsequent. In Szene gesetzt hat ihn James Bobin, bekannt als Regisseur zweier „Muppets“-Abenteuer, ein Mann, der sich auf familientaugliche Kost versteht.

Kinder wie Erwachsene hat er bei seiner Verfilmung im Auge, die eher Fortführung als Adaption ist. Was in der Tatsache begründet liegt, dass die im Fernsehen noch siebenjährige Heldin inzwischen zum Teenager gereift ist. Den größten Teil ihres Lebens hat sie mit ihren Eltern im Dschungel verbracht, nun besucht Dora (Isabela Moner) mit Cousin Diego (Jeffrey Wahlberg) in Los Angeles die Highschool, von ihren Mitschülern misstrauisch beäugt. Bis sie, Diego sowie zwei Klassenkameraden nach Peru entführt werden.

Legendärer Inka-Schatz

Die Gauner versuchen so an ihre Eltern, Mama Elena (Eva Longoria) und Papa Cole (Michael Peña), heranzukommen, die als Archäologen die versunkene Inka-Stadt Parapata gefunden haben – und damit den dort vermuteten legendären Schatz. Mit Hilfe des zwielichtigen Wissenschaftlers Alejandro (Eugenio Derbez) gelingt dem Quartett – begleitet vom Äffchen Boots – die Flucht. Nun gilt es, Doras Familie vor der drohenden Gefahr zu retten.

Der Kniff, Dora vom Kind zur 16-Jährigen zu machen, liegt auf der Hand. Die Fans von damals sind wie ihr Liebling älter geworden, ihre Erlebnisse dem aktuellen Lebensstadium angepasst. Kurz wird zu Beginn noch von der Siebenjährigen (Madelyn Miranda) erzählt – es gilt, neu hinzugekommene Zuseher mit dem Stoff vertraut zu machen –, dann nimmt die Story Fahrt auf. Actionorientierter, dynamischer als im Fernsehen mit einst bewusst schlicht gezeichneten, auf die Zielgruppe hin abgestimmten ruhigen Bildern.

Eine Animation im Stil von Disney und Co. hat das augenscheinlich knappe Budget nicht zugelassen, richtig also die Entscheidung hin zur Live-Action, die sich an einschlägigen Vorlagen, etwa der „Indiana Jones“-Reihe, orientiert. Moner („Plötzlich Familie“) ist eine sympathische Protagonistin, intelligent, draufgängerisch und unbekümmert. Gerne und leicht identifiziert man sich mit ihr – trotz ihrer arg biederen Art (nebst Pony-Frisur). Was vielleicht damit zu tun hat, dass das bekannt erzkonservative, religiös fundamentalistische Unternehmen Walden Media („Die Chroniken von Narnia“) als eine der drei Produktionsfirmen zeichnet.

Fiese Bösewichte

Für den nötigen Witz sorgt der knuffige CGI-Primat, dem im Original B-Film-Star Danny Trejo seine Stimme leiht, als dessen Gegenspieler taucht immer wieder – keiner Logik folgend – Trickfilmfuchs Swiper (Benicio Del Toro) auf. Temporeich und mild spannend ist die Jagd nach dem Edelmetall, für den Kinonachwuchs dürften die Bösewichte allerdings insgesamt zu fies gezeichnet sein. Ein weiteres Problem ist, dass man dem eigenen mäandernden Plot scheinbar nicht wirklich getraut hat und sich auf keinen durchgängigen Stil einigen konnte.

So wirkt die brav animierte Drogenrauschsequenz ebenso aufgesetzt wie die dem Abspann unterlegte Revue-Nummer, zudem sind auf dem Soundtrack willkürlich ein paar Ohrwürmer zu hören – etwa die spanische Version von Nancy Sinatras „These Boots Are Made for Walking“. Tribut wohl an die lateinamerikanische Klientel, die „Dora“ einst in den USA ansprechen sollte. Symptomatisch für Produktionen, die alle Zuschauerschichten erreichen wollen.

Findet man sich jedoch mit diesem Umstand ab, ist recht launiger Spaß gegeben. Wobei gesagt werden muss, dass man in Sachen Spezialeffekte, Kostüme und Ausstattung von Hollywood wesentlich höhere Standards gewöhnt ist.

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