Kino

Innere Konflikte einer Kommunistin

„Und der Zukunft zugewandt“: Film schaut auf die Anfangsjahre der DDR und thematisiert damalige Tabuthemen

Alexandra Maria Lara hat schon in so manchem Film mitgespielt, der sich ein Stück Weltgeschichte vornimmt: In „Der Untergang“ verkörperte sie Hitlers Sekretärin und in „Der Baader Meinhof Komplex“ eine RAF-Terroristin. Nun ist sie im Kino als junge Kommunistin zu sehen. „Und der Zukunft zugewandt“ spielt in den 1950er Jahren in der noch jungen DDR.

Antonia Berger ist aus Überzeugung in die Sowjetunion gegangen, wird aber unter Stalin unschuldig zu Lagerhaft verurteilt. Ihr Mann wird erschossen. Als Berger mit ihrer kranken Tochter in die DDR kommt, wird sie zum Schweigen gezwungen und darf nicht über ihre Erlebnisse im Gulag sprechen.

Verschwiegene Lager

Regisseur Bernd Böhlich („Polizeiruf“, „Horst Krause“) dachte über diesen Film lange nach. Vor rund 30 Jahren hörte er als DDR-Bürger von einem ähnlichen Schicksal, das ihn nicht mehr losgelassen hat. Für ihn sei das ein Schock gewesen, sagt Böhlich. Er habe dann recherchiert, aber in der DDR keine Informationen über Arbeitslager und Schauprozesse in der Sowjetunion gefunden.

Nun hat er daraus einen Film gemacht, der wie eine Zeile aus der DDR-Hymne „Auferstanden aus Ruinen“ heißt. Alexandra Maria Lara spielt eine Frau mit mehr Blessuren, als man es bisher von ihr kennt. Ihre Figur trägt viele innere Konflikte aus: Ist es richtig, für die vermeintlich gute Sache Unrecht zu verschweigen? Wem kann sie trauen im System? Und kann sie weiter in einem so unfreien Land bleiben, dessen Grundidee sie aber unterstützt?

Für Lara hat der Film nach eigenen Worten einen besonderen Stellenwert. „Ich habe beim ersten Lesen gedacht: Das ist ein Drehbuch, wie man es sehr selten bekommt“, sagte die 40-Jährige. Es sei schon so stimmig und klar gewesen. „Und ich habe gemerkt, dass ich eine sehr starke Verbindung zu der Thematik habe – auch weil meine Eltern mit mir als Kind von Rumänien nach Deutschland gekommen sind.“

Ihre Eltern hätten damals mitten im Leben gestanden. Ihr Vater sei Vize-Intendant am Nationaltheater in Bukarest gewesen, ihre Mutter habe an der Universität unterrichtet und ihre Studenten sehr geliebt. Beide hätten 1983 aber ihr Land verlassen, um ihrer Tochter ein Leben in Freiheit zu ermöglichen. „Mit diesem Bewusstsein groß zu werden, hat sicherlich dazu beigetragen mich darin zu bestärken, angstfrei durchs Leben zu gehen. Auch auf meinem beruflichen Weg“, sagte Lara in einem Interview.

Regisseur Böhlich zeigt, wie schwer es eine neue Gesellschaftsordnung und ein politisches System haben, wenn sie auf Lügen aufbauen. Erzählt ist der Film eher konventionell, aber der Blickwinkel auf die Geschichte interessant. Fälle, wie sie hier geschildert werden, kamen laut Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur durchaus vor.

Aufnahme in Partei

Zum einen habe es jene Kommunisten gegeben, die nach 1945 von der Sowjetunion bald zurück in den Osten Deutschlands gekommen seien und politische Schaltstellen besetzt hätten, erklärte Ulrich Mählert, Leiter des Arbeitsbereichs Wissenschaft in der Stiftung.

Die zweite Kategorie seien deutsche Kommunisten gewesen, die teils mit den letzten deutschen Gefangenen 1956 aus sowjetischen Lagern oder der Verbannung nach Deutschland gekommen seien. „Als sie in die DDR kamen, sorgte die SED dafür, dass sie Arbeit und Wohnung bekamen und in die Partei aufgenommen wurden“, so Mählert. „Zugleich wurde ihnen deutlich gemacht, dass es keine gute Idee wäre, von den Straflagern im ,Paradies der Arbeiterklasse’ zu berichten, die Millionen das Leben gekostet hatten.“

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