Kino

Filmfestspiele Venedig Mit mutigen Entscheidungen endet das Kino-Festival am Lido – Preise für Todd Phillips und Roman Polanski

„Joker“ sticht die Konkurrenz aus

Der Goldene Löwe für den besten Film geht an den düsteren Psychothriller „Joker“, in dem der Regisseur Todd Phillips von der Gewaltspirale eines psychisch kranken Mannes erzählt. Für noch mehr Diskussionen wird aber die Auszeichnung für „J’accuse“ von Roman Polanski sorgen. Sein historisches Drama um einen Justizskandal gewann den Großen Preis der Jury, die zweitwichtigste Trophäe.

Tatsächlich blieb „Joker“ als einer der intensivsten und verstörendsten Filme im diesjährigen Wettbewerb in Erinnerung. Joaquin Phoenix (44) spielt darin auf herausragende Weise Arthur Fleck, einen einsamen und tieftraurigen Mann, der unter einer schweren psychischen Störung leidet. Seine Mitmenschen ignorieren ihn oder verhöhnen ihn – bis der Frust mit aller Gewalt aus ihm herausbricht. Plötzlich ist er nicht nur gefürchtet, sondern wird als Symbol der unterdrückten Bevölkerung gefeiert. Aus Arthur Fleck wird langsam der gefürchtete Joker: der Erzfeind von Batman.

Kritik mischt sich unter Euphorie

Trotz der Euphorie gibt es aber auch Kritik am Film: Er verherrliche und zelebriere Gewalt, finden einige. Das sah die Jurypräsidentin Lucrecia Martel anders: „Es ist eine sehr wertvolle Reflexion über Antihelden“, sagte die argentinische Regisseurin nach der Preisverleihung. „Die Feinde sind nicht die Männer, sondern das System.“ Der Erfolg für „Joker“ könnte allerdings von einer anderen Juryentscheidung in den Hintergrund gedrängt werden: Die Auszeichnung für Polanskis „J’accuse“ dürfte die Debatte um den Regisseur weiter befeuern. Immerhin wird dem französisch-polnischen Filmemacher sexueller Missbrauch vorgeworfen.

Letztendlich erkannte die Jury aber auch, dass sie Polanski bei der Preisvergabe nicht ignorieren konnte – schließlich gehörte „J’accuse“ zu den besten Werken im Wettbewerb: Langsam und konzentriert erzählt Polanski von der Dreyfus-Affäre in den 1890er Jahren, offenbart ein System voller Lügen, Antisemitismus und Vertuschung. Die Jury habe nur den Film selbst bewertet, betonte Präsidentin Martel.

Auch mit den anderen Preisen zeichnete die Jury Werke aus, die eigene Handschriften trugen. Der Schwede Roy Andersson, der mit „About Endlessness“ über die menschliche Existenz reflektierte, gewann den Silbernen Löwen für die beste Regie. Der in Hongkong lebende Yonfan erhielt für den Animationsfilm „No. 7 Cherry Lane“ den Preis für das beste Drehbuch. 

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