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Kampf gegen Zwangsmedikation

Archivartikel

„Eleanor & Colette“: Drama mit Hollywood-Stars um die wahre Geschichte einer Schizophrenie-Patientin

Mehrere Männer in Weiß halten Eleanor Riese fest. Sie wehrt sich nach Kräften und schreit: „Bitte tut mir nicht weh!“ Doch das Pflegepersonal ist stärker. Gegen ihren Willen bekommt Eleanor Medikamente verabreicht. Ruhiggestellt liegt sie in einem Isolationszimmer, das für sie eine Gefängniszelle ist. So oder so ähnlich soll sich die Anfangsszene von „Eleanor & Colette“ im Jahr 1985 zugetragen haben - das Drama des dänischen Regisseurs Bille August („Les Misérables“) beruht auf einer wahren Geschichte.

Die britische Schauspielerin Helena Bonham Carter („Fight Club“) spielt Eleanor Riese, die seit einer Hirnhautentzündung an paranoider Schizophrenie leidet. Sie hat sich freiwillig in die Klinik begeben. Doch als bei ihr starke Nebenwirkungen auftreten, bekommt Eleanor die Zwangsbehandlung. Daraufhin schaltet sie die Anwältin Colette Hughes ein, die von Oscar-Gewinnerin Hilary Swank („Million Dollar Baby“) gespielt wird. Gemeinsam mit Mort Cohen (Jeffrey Tambor) legen sich die Frauen mit dem US-Gesundheitswesen an und werden nebenbei zu Freundinnen.

In Köln gedreht

Die Geschichte spielt zwar in San Francisco, das in mehreren Außenaufnahmen zu sehen ist. Der Film wurde aber zu großen Teilen in den Kölner MMC Studios gedreht. Swank hat als Anwältin und ehemalige Krankenschwester Colette die einfacherere Rolle. Die zweimal Oscar-nominierte Bonham Carter hingegen müht sich redlich, die psychisch kranke Eleanor darzustellen. Manchmal wirkt sie dabei jedoch wie eine der skurrilen Figuren, die sie in „Dark Shadows“, „Harry Potter“ oder „Sweeney Todd“ gespielt hat,. In ihren besten Momenten ist es aber im positiven Sinne anstrengend, ihr zuzusehen.

Der Film hat ein paar ergreifende Momente – zum Beispiel, wenn Eleanor sich im Gerichtssaal zu beherrschen versucht, als die erste Verhandlung am obersten Gerichtshof scheitert. Daneben gibt es einige lustige Szenen, die den Film etwas auflockern. „Weißt du Eleanor“, sagt Colette nach einem Streit, „du bist nicht schwer behindert. Du bist nur schwer zu ertragen.“

Keine echte Spannung

Leider bedient „Eleanor & Colette“ aber auch diverse Klischees des Kinos. So sind rührselige Szenen mit kitschiger Klaviermusik unterlegt. Und wenn man gerade das Gefühl bekommt, dass es gut für die Frauen läuft, muss natürlich noch mal eine schlechte Nachricht kommen, um die Spannung aufrechtzuerhalten. Doch wirkliche Spannung will bei all dem gar nicht aufkommen. Dramaturgisch kann Bille Augusts Film, in dem die Gerichtsverhandlungen zu kurz kommen, nicht überzeugen. Er plätschert zu sehr dahin und lässt gegen Ende noch deutlich nach.