Kino

Geburtstag Filmregisseur Artur Brauner wird 100 Jahre alt

Kino gegen Vergessen

Archivartikel

Er hat das deutsche Kino geprägt wie kaum ein anderer. Romy Schneider, Heinz Rühmann, Curd Jürgens, O.W. Fischer, Peter Alexander und Caterina Valente – sie standen alle in den Berliner Filmstudios von Artur Brauner vor der Kamera. Er produzierte die Kassenknüller „Dr. Mabuse“, „Mädchen in Uniform“ und viele der Karl-May-Verfilmungen, aber auch Zeitgeistvolltreffer wie 1956 „Die Halbstarken“. Der knallharte Verhandler produzierte rund 500 Filme, darunter den italienischen Oscar-Gewinner „Der Garten der Finzi Contini“ (1979). Brauner hatte ein Händchen für handwerklich gute Unterhaltung in Serienproduktion – was ihm zu Zeiten des Neuen deutschen Films den Ruf einbrachte, „Opas Kino“ zu vertreten. Heute wird „Atze“ Brauner 100 Jahre alt.

Kommerzerfolge nur eine Seite

Doch kommerzieller Erfolg, Stars und Glamour waren immer nur die eine Seite im Leben des eleganten Filmmoguls. Mit Filmen wie „Morituri“ (1948), „Hitlerjunge Salomon“ (1990) oder zuletzt „Wunderkinder“ (2011) hält Brauner seit sieben Jahrzehnten die Erinnerung an die Opfer des Holocaust wach.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam der im polnischen Lodz als Sohn eines jüdischen Holzhändlers geborene Brauner in das Land der Täter. Auf der Flucht sah er in der Ukraine ein Massengrab mit ermordeten Juden. „Da liegt ein zehn- oder zwölfjähriger toter Junge mit offenen Augen. Ich hatte das Gefühl, er schaut mich an und redet mit mir: ,Was suchst du hier? Wir sind alle tot. Hilf’ uns leben. Ihr sollt uns nicht vergessen!’“ Da habe er ein Gelübde abgelegt. So lange er leben werde, werde er dies nicht vergessen – und nur durch Filme könnten Schicksale wie das des Jungen nicht vergessen werden.