Kino

Der neue Film Oskar Roehler hat Thor Kunkels Buch „Subs“ unter dem Titel „HERRliche Zeiten“ adaptiert – keine glückliche Wahl

Komödie mit Sklav(inn)ensuche

Archivartikel

Für Aufreger war er immer gut: Oskar Roehler, der etwa den Skandalroman „Elementarteilchen“ des französischen Enfant-terribles Michel Houellebecq verfilmte. Bei beiden stehen gerne zwischenmenschliche Beziehungen im Brennpunkt, Abhängigkeiten, die oftmals bis zur Selbstaufgabe der Figuren ausgelotet werden. Das hat den umstrittenen Schriftsteller und Philosophen zum gefeierten Star der Buchszene gemacht, während der Regisseur mit Kinoarbeiten wie „Die Unberührbare“ oder „Jud Süss – Film ohne Gewissen“ die Gemüter erhitzte. Nun gibt’s schon wieder Ärger, im Vorfeld des Starts zu „HERRliche Zeiten“, seiner Adaption des 2011 erschienenen Romans „Subs“.

Dabei geht es (zunächst) gar nicht einmal ums Formale oder Inhaltliche, sondern um den Autor der Vorlage: Thor Kunkel. Der ist weitgehend unbekannt, hat 2004 mit dem Roman „Endstufe“, der Geschichte einer Sexfilmproduktion im Dritten Reich, für ein paar Schlagzeilen gesorgt und war dann schnell wieder vergessen. Jetzt ist man jedoch wieder auf ihn aufmerksam geworden, weil er im Sommer 2017 als PR-Berater den Auftrag übernahm, die Bundestagswerbekampagne der AfD zu gestalten.

Prüfen die Anstalten nicht?

Unangenehm ist er mit Äußerungen auf seiner Website aufgefallen, die üblichen Ergüsse über die von „linken Journalisten“ gesteuerte „Lügenpresse“ waren zu lesen, aber auch von „Sozialtouristen aus Nordafrika“, die es sich in Deutschland bequem machen. Offensichtlich einer dieser unverbesserlichen Rechten, den Roehler in einem Interview als alten „Kumpel“ bezeichnete, während dieser stolz darauf hinwies, der „Starregisseur“ verfilme seinen Stoff.

Nun geht es niemanden etwas an, wer mit wem befreundet ist. Roehler hat sich inzwischen öffentlich von Kunkel distanziert. Problematischer wiegt schon, dass der rund 3,15 Millionen Euro teure Film mit knapp zwei Millionen gefördert wurde, unter anderem von der Film- und Medienstiftung Nordrhein-Westfalen, dem Medienboard Berlin-Brandenburg und dem Deutschen Filmförderfonds. Da muss die Frage erlaubt sein, ob denn bei den Anstalten niemand überprüft, wer oder was finanziell unterstützt werden soll. Zumal Kunkel beim Rechteverkauf zur Bedingung gemacht hatte, eine Drehbuchfassung schreiben zu dürfen – die im Übrigen wohl nicht viel taugte. Letztendlich wurde nämlich Jan Berger („Der Medicus“) mit dem Skript beauftragt, sein Name steht im Abspann, auf Basis seines Buches flossen letztendlich die Gelder.

Man kann sich in dieser Causa durchaus auf Roehlers Standpunkt zurückziehen, der Verfasser und Werk einfach voneinander trennt. Er sieht seine böse Komödie nicht politisch, sondern als Unterhaltung, Kolportage, Satire. Geht durchaus. Spannend wird sein, ob er damit durchkommt. Der Verleih hat in Sachen Werbung zumindest schon beschlossen, den Namen Kunkel möglichst nicht zu erwähnen. „Frei nach Motiven“ wird formuliert, gesetzt auf das Renommee des Machers und der Hauptdarsteller: Oliver Masucci und Katja Riemann. Gut und gelangweilt verbringen der Schönheitschirurg und die Gartenarchitektin in einer Kölner Villa ihre Tage. Gesucht wird eine neue Haushaltshilfe. Vom Rotwein beseelt, schaltet der Hausherr eine Anzeige: „Sklave/in gesucht“.

Schon stehen kuriose Gestalten in Lack und Leder vor der Tür – sowie Bartos (Samuel Finzi) und seine bildhübsche Frau Lana (Lize Feryn). Gepflegt, gebildet und dienstfertig, willig sich in ein Herr-Knecht-Verhältnis zu begeben. Die Paare vereinbaren eine Probezeit, bald wähnen sich die Müller-Todts dank der Fürsorge ihres Superpersonals im siebten Himmel. Doch als sich im Garten immer mehr billige ausländische Arbeitskräfte für den von Bartos angeregten Poolbau tummeln, gerät die Situation zunehmend außer Kontrolle…

Eine Boulevardvariante von Joseph Loseys „Der Diener“. Einmal mehr geht es um die Fragen nach Schein und Sein, Freiheit, Moral und Menschenrechte. Sex und Sauna, Saufen und Spezereien, eine altrömische Orgien-Party, ein Paintball-Gefecht, freche Sprüche: „Ein Land von Schwuchteln regiert, von einer Frau, die sie Mutti nennen“, zwischendurch eine kurze Unterrichtseinheit in Sachen richtiger Aussprache des Namens Mohammed. Routiniert, handwerklich sauber spult Roehler die Handlung ab, Riemann, als Zicke immer besonders überzeugend, zeigt Mut zur Hässlichkeit, Masucci („Er ist wieder da“) gibt den kölschen, leicht unterbelichteten Großkotz, Finzi glänzt als Über-Butler, in Gastrollen treten unter anderem Andrea Sawatzki, Margarita Broich und Jan Henrik Stahlberg auf.

Info: Filmstarts der Woche unter https://morgenweb.de/kino