Kino

Leichter und wachsamer Schlaf

"Leben mit Todesdrohung": Ein Film über den iranischen Musiker Shahin Najafin

Weil er den Islam kritisierte, haben iranische Geistliche Todesdrohungen gegen den Musiker Shahin Najafi erlassen. Regisseur Till Schauder hat ihn jahrelang begleitet - und gibt in einer Doku Einblick in das Leben von einem, der täglich mit seinem Tod rechnet.

Wachsam schlafen. Das ist eine der Vorsichtsmaßnahmen, die der Musiker Shahin Najafi sich angewöhnt hat. Nachdem vor rund fünf Jahren verschiedene muslimische Geistliche aus dem Iran Todesdrohungen gegen ihn ausgesprochen haben, hat sich das Leben des 37-Jährigen grundlegend verändert.

Der iranische Musiker hat nicht nur einen leichten Schlaf, erfahren die Zuschauer - auch ein Messer trägt er immer bei sich. Seine Wohnung ist von innen mit dicken Schlössern verriegelt. Schön sind die Aufnahmen der Konzerte, bei denen Najafi von Hunderten Zuschauern gefeiert wird.

Unter Exil-Iranern ist er ein Star. In ihrem Heimatland ist seine Musik verboten, doch YouTube-Videos von seinen Liedern haben teils weit über Millionen Klicks.

Die Bedrohung ist in Najafis Leben auch in Deutschland immer präsent. In einer Szene steigt er mit einem Freund in sein Auto im Parkhaus. Die beiden bekommen Panik und sind sich plötzlich sicher, den Wagen anders geparkt zu haben. Sie durchsuchen ihn nach Sprengstoff. Eine spontane Szene, so der Regisseur, die wie ein Großteil der Doku nicht inszeniert wurde.

Wirkliche Ruhe spürt Najafi nur an einem Ort: Wenn das Schlagzeug die ersten Takte trommelt, und er auf die Bühne tritt. Die Angst ist dann vorbei.