Kino

Meisterwerk von Michael Haneke

"Happy End": Der Österreicher schaut auf die Gegenwart und eine reiche Unternehmerfamilie

Michael Haneke ist eine feste Größe im europäischen Kino. Auch in seinem neuen Film hat er ein ganz feines Auge für die Insignien des Großbürgertums: Die Laurents, die ein Bauunternehmen ihr Eigen nennen, residieren im küstennahen Calais, das üppige Anwesen ausstaffiert mit großen Gemälden, stets frischen Blumensträußen, exquisitem Porzellan, raumgreifenden Sofas und großen Statuen. Beim Frühstück darf natürlich die teure Orangenmarmelade nicht fehlen, serviert vom marokkanischen Hausangestellten Rachid.

Das feine Äußere aber kann hier niemals darüber hinwegtäuschen, wie marode und malad es im Inneren der Familie aussieht: Es gibt mindestens zwei Selbstmordversuche in diesem Film, der unterkühlte Umgang der Familienmitglieder miteinander macht immer wieder frösteln. Haneke streift die Einzelschicksale seiner Figuren mehr, als dass er sie einem wirklich näher bringen würde. Hier und da wird der Familiengeschichte Gesellschaftskritik beigemengt.

Haneke, dessen Film im Mai seine Weltpremiere bei den Filmfestspielen von Cannes feierte, muss sich auch nach "Happy End" nicht sorgen um seine Stellung als einer der wichtigsten Autorenfilmer des europäischen Kontinents. Und doch muss man konstatieren, dass der 110-Minüter nicht an die Brillanz seiner beiden Vorgänger heranreicht: weder an das so bild- wie aussagestarke "Weiße Band" noch an "Liebe".

Man verlässt "Happy End" einigermaßen ratlos; und ist doch sehr beeindruckt: Einen Ensemblefilm dieses großen Umfangs schließlich, den muss man erst mal stemmen. Das gilt auch für einen Kino-Könner vom Schlage eines Michael Haneke.