Kino

Der neue Film Jane Fonda, Diane Keaton, Mary Steenburgen und Candice Bergen erleben in „Book Club“ turbulente amouröse Abenteuer

Mit über 60 geht viel – auch Sex

Lesezirkel sind in Liebesdingen eine brisante Sache, siehe beispielsweise Robin Swicords „Der Jane Austen Club“ aus dem Jahre 2006 oder – zurzeit noch im Kino – „Deine Juliet“, Mike Newells Adaption des erfolgreichen Briefromans von Mary Ann Shaffer und deren Nichte Annie Barrows. Lily James als Erfolgsautorin verfällt da kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, vor der pittoresken Kulisse der britischen Kanalinsel Guernsey, dem Farmer Michiel Huisman. Eine Romanze zwischen schönen jungen Menschen. Nicht weiter ungewöhnlich.

Und was tut sich bei der Generation 60 plus hinsichtlich Libido und zwischenmenschlicher Beziehungen? Das erforscht der Regisseur Bill Holderman in seinem Debütfilm, und sagt: „Wenn du daran glaubst, dass du ein neues Kapitel aufschlagen kannst, dann musst du nur deine eigenen Denkmuster überwinden.“ Wie so etwas aussehen kann, führt „Book Club – Das Beste kommt noch“ kurzweilig vor Augen.

Spritzige Dialoge

„Wenn Frauen in unserem Alter noch Sex haben sollten, würde er dann unsere Körper so verfallen lassen“, fragt Richterin Sharon (Candice Bergen) bei einem der monatlichen Treffen mit ihren Freundinnen Vivian (Jane Fonda), Diane (Diane Keaton) und Carol (Mary Steenburgen). „Bei mir sitzt noch alles“, antwortet Vivian stolz und schiebt sich den Busen hoch. Die Replik: „Das ist aber nicht Gottes Verdienst, sondern Doktor Nazarians …“

Ihr halbes Leben lang gehen die Damen bereits gemeinsam durch dick und dünn, bei ihren weinseligen Zusammenkünften ist das andere Geschlecht meist kein Thema mehr. Bis Hotelbesitzerin Vivian als Lesestoff „Fifty Shades of Grey“, den Skandal-Bestseller von E. L. James, vorschlägt. Sharon empört sich: „Wir haben diesen Buchclub gegründet, weil wir unseren Geist stimulieren wollten.“ Vergeblich. Die sadomasochistischen Fantasien werden zur Lesepflicht erklärt – mit für die Ladys weitreichenden amourösen Folgen.

Carol fragt ihren verwunderten, im Schlafzimmer wenig ambitionierten Gatten Bruce (Craig T. Nelson) ob er ihr nicht Kabelbinder anlegen möchte, derweilen Vivian ihrer alten Flamme, dem Lebemann Arthur (Don Johnson), über den Weg läuft und Diane den charmanten Multimillionär Mitchell (Andy Garcia) kennenlernt. Die gestrenge Sharon – vor 18 Jahren hat sie „es“ nach eigener Auskunft zum letzten Mal „getan“ – stellt beim Internet-Dating zu ihrer eigenen Verwunderung fest, dass sie das Blut kultivierter Senioren, unter ihnen George (Richard Dreyfuss) und Dr. Derek (Wallace Shawn), durchaus noch in Wallung bringt.

So originell die Prämisse, so flott der Spaß nach dem Drehbuch von Erin Simms und Holderman erzählt ist, so wenig Überraschendes bekommt man geboten. Jeder Topf findet final den richtigen Deckel. Bis es soweit ist, gibt es die üblichen Irrungen und Verwirrungen. Darunter ein plumper Witz mit heimlich verabreichtem Viagra, das bei einer Polizeikontrolle für Radau sorgt, und eine schwergewichtige afroamerikanische Zollbeamtin, die die Fluglektüre der peinlich berührten Diane lauthals kommentiert. Eine Wohlfühlstory, die sich an die Gesetzmäßigkeiten des Genres hält. Das Rezept scheint aufzugehen, knapp 70 Millionen Dollar hat diese Komödie in den USA bislang eingespielt, was wohl primär auf die vertretene Prominenz zurückzuführen ist.

Beliebte Heldinnen des New Hollywood sind die Protagonistinnen, die Aerobic-Vorturnerin und einst ob ihres politischen Engagements als „Hanoi Jane“ verunglimpfte Fonda („Coming Home – Sie kehren heim“), Woody Allens langjährige Muse Keaton („Der Stadtneurotiker“), die taffe Steenburgen („Melvin und Howard“) und die elegante Bergen („Der Wind und der Löwe“), die schauspielerisch über die größte Bandbreite verfügt.

Platte Charaktere

Entsprechend bekannte Namen hat man ihnen als Partner beziehungsweise Widerpart zur Seite gestellt – mit weniger Leinwandzeit, was bei diesem Frauenfilm nur von logischer Konsequenz ist. Dass Kamera und Ausstattung stimmen, muss bei Produktionen dieser Art eigentlich nicht mehr erwähnt werden – nur mehr Tiefe in punkto Charakterzeichnung hätte nicht geschadet.

Info: Filmstarts der Woche unter morgenweb.de/kino