Kino

Morden ohne Konsequenzen

„The First Purge“: Langersehnte Fortsetzung zur bejubelten „Purge“-Trilogie

Jason Blum ist der Geschäftsführer der erfolgreichen Produktionsfirma Blumhouse Pictures. Auf sein Konto gehen Franchises wie „Conjuring“ und eben auch die „The Purge“-Reihe. Das Besondere an dieser fasste Blum in einem Interview zusammen: Obwohl die Idee, dass Menschen für zwölf Stunden morden dürfen, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen, eine Horrorvorstellung ist, wurde das Grundszenario der „Purge“ in den USA von vielen bejubelt.

Die Lage der US-amerikanischen Nation nährten die Entstehung des neuesten Films „The First Purge“, dem Prequel zur „The Purge“-Trilogie. Regisseur Gerard McMurray erzählt davon, wie ein größenwahnsinniger Politiker hofft, mithilfe eines Experiments die Gewalt in seinem Land unter Kontrolle zu bringen.

Rassenunruhen, Gewalt und Hass vergiften das Klima in den USA. Das soll sich ändern, verspricht die Partei „Neue Gründungsväter Amerikas“, die sich durch ein außergewöhnliches Experiment die Stimmen ihrer Wähler sichern will.

Eine sogenannte Säuberung soll es den Bürgern der USA möglich machen, einmal im Jahr Verbrechen begehen zu können, ohne Folgen fürchten zu müssen. Das Ziel: Die Kriminalitätsrate soll auf unter ein Prozent sinken. Die Theorien der Psychologin (Marisa Tomei) befeuern die Partei in ihren Plänen.

Ein Film der Ära Trump

Zu Testzwecken soll eine Säuberung auf Staten Island stattfinden. Als die Bewohner sich weigern, einander umzubringen, greifen die Politiker selbst ein und sorgen für eine blutige Nacht. „The First Purge“ ist unübersehbar ein Film der „Ära Trump“. Das merkt man nicht nur daran, dass in einer Szene ein „Pussy Grabbing Motherfucker“ versucht, sich an einer jungen Frau zu vergehen. Wenn der Parteichef der „Neuen Gründungsväter Amerikas“ obskure Wahlversprechen gibt, spiegelt das die aktuelle Lage der US-Politik gut wider. Nach den ersten drei „Purge“-Teilen ist es konsequent, dass der Fokus endlich auf denjenigen liegt, die bei einem solchen Experiment tatsächlich an vorderster Front um ihr Überleben kämpfen müssten: Die soziale Unterschicht, für die die Politiker nicht länger bereit sind, zu zahlen.

Leider braucht das Skript von James DeMonaco zu lange, bis sich die gesellschaftskritischen Ansätze entfalten. In der ersten Hälfte geht es um Streitereien unter den Bürgern, bei denen die Umstände der Säuberung in den Hintergrund rücken. Dabei wäre es spannend gewesen, sich mit den Wissenschaftstheorien zu der Aktion auseinanderzusetzen.

Außer der banalen Erklärung, jeder müsse mal Dampf ablassen, liefert der Film keine Erkenntnisse dazu, weshalb eine Säuberung den US-Amerikanern so viel Gutes verspricht.