Kino

Naive Malerin entwickelt sich zu starker Frau

„Eine Frau, die vorausgeht“: Susanna White stützt sich auf wahre Begebenheiten, nimmt sich aber dramaturgische Freiheiten

In einem hochgeschlossenen Kleid zieht eine Frau einen Koffer durch die Prärie. Witwe Catherine Weldon (Jessica Chastain) reist im Jahr 1890 nach North Dakota, um den Häuptling Sitting Bull zu malen. Bei den Soldaten und Siedlern stößt sie auf Ablehnung.

„Die Frau, die vorausgeht“ erzählt, wie Weldon der männerdominierten weißen Gesellschaft trotzt und zu einer Kämpferin für die Rechte der Indianer wird.

Die Geschichte basiert auf realen Begebenheiten; der Film von Susanna White nimmt sich aber dramaturgische Freiheiten. Anfangs wirkt Weldon naiv. Von einem Indianer lässt sie sich das Gepäck stehlen, von den entbehrungsreichen Bedingungen im Wilden Westen hat sie keine Ahnung.

Gleichzeitig ist sie hartnäckig, entgegen dem Befehl des Kommandanten verlässt sie das Fort nicht, sondern schafft es, den sagenumwobenen Sitting Bull zu malen. Als die Regierung versucht, die Stämme auszuhungern und ihnen weiteres Land abzunehmen, steht sie auf der Seite der Indianer.

Jedoch bleibt die Figur, seltsam blass. Woher nimmt Weldon Mut, sich gegen die weiße Mehrheit zu stellen? Pathetisch wirkt es dann auch, wenn Sitting Bull der Malerin rät, „mehr zu leben“. Die zivilisationsmüde Weiße und der weise Wilde – mehr Klischee geht kaum. Greyeyes spielt den stolzen Häuptling, bedächtig und melancholisch. Oscargewinner Sam Rockwell überzeugt in der Rolle des Colonels Silas Groves, der die Malerin schnellstmöglich nach New York zurückschicken will.

Der Film hätte alle Zutaten für ein packendes Drama gehabt, aber will vielleicht zu viel: eine Frau, die nach Unabhängigkeit strebt; Kämpfe zwischen Indianern und Siedlern; der Widerstand der Indianer. Das ist schön gefilmt, aber auch schon oft gesehen. dpa