Kino

Niemals aufgeben, immer aufrichtig bleiben

Archivartikel

Mit dem US-amerikanischen Schauspieler Kirk Douglas ist im Alter von 103 Jahren ein ganz Großer des alten Hollywood und seiner Glanzzeit gestorben.

Hier stimmt das Etikett einmal wirklich: Eine Legende, ein letzter Großer aus Hollywoods goldenen Jahren ist nicht mehr. Im biblischen Alter von 103 Jahren ist der prägende Leinwanddarsteller Kirk Douglas, der auch ein einflussreicher Filmproduzent war, gestorben. Das teilte „in tiefer Trauer“ sein Sohn mit, der ebenfalls erfolgreiche Schauspieler Michael Douglas. Ausschließlich er hatte schon in den vergangenen Jahren öffentlich gemacht, wie es um die Gesundheit und Laune des alten Herrn stand. Dabei konnte Kirk Douglas noch in hohen Jahren Virilität und Vitalität ausstrahlen, wenngleich ihm ein Schlaganfall schon seit 1995 schwer zu schaffen machte.

Kirk Douglas’ Name steht gleichberechtigt neben längst verstorbenen Größen wie Barbara Stanwyck, Katharine Hepburn, Cary Grant, James Stuart, Burt Lancaster, Gregory Peck oder John Wayne. Douglas spielte Spartacus, den Führer im römischen Sklavenaufstand, ebenso wie den heldenhaften Odysseus, den Wikinger Einar oder den kompromisslosen Maler Vincent van Gogh.

Dreimal für Oscar nominiert

Kerle mit harter Oberfläche und kaltem Blick gab der Sohn osteuropäischer Einwanderer bevorzugt, der in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen war. Er mimte ebenso glaubwürdig und unverwechselbar Cowboys, Betrüger, Polizisten, Abenteurer, Offiziere oder auch Mörder. Allesamt konnten diese Charaktere bei ihm beherrscht und einsam wirken und von unerfüllter Sehnsucht getrieben. Typisch erscheint da schon die Rolle, mit der er zum Star wurde – vor über 70 Jahren, 1949 als Boxer unter der Regie von Mark Robson im Film „Champion“. Kirk Douglas erhielt dafür seine erste von drei Oscar-Nominierungen.

Im Jahr 2001 war der Darsteller noch einmal in Berlin zu erleben, als er den Ehrenbären der Berlinale erhielt. Er sprach schleppend als Folge des Schlaganfalls. Aber seine Antworten auf einer Pressekonferenz waren dennoch sehr prägnant. Was sein Lebensmotto sei? „Gib niemals auf!“, sagte er knapp. Und auf die Frage nach dem Höhepunkt seiner Karriere, sagte Douglas, er sei stolz darauf, 1960 den Namen des Drehbuchautors Dalton Trumbo im Abspann zu Stanley Kubricks „Spartacus“ untergebracht zu haben.

Douglas hatte den Historienfilm auch produziert, und Trumbo stand auf der berüchtigten schwarzen Liste des US-Senators McCarthy. Er wurde der „unamerikanischen Umtriebe“ verdächtigt, aber Kirk Douglas hielt zu ihm. Nicht aufzugeben und innere Größe zu beweisen, zuweilen bis zur Verbissenheit, das zeichnet auch viele Charaktere aus, die er verkörpert hat. Als „markantestes Kinn Hollywoods“ galt der Vater von vier Söhnen, von denen Michael der Älteste ist.

Mit vielen Großen Hollywoods hat Kirk Douglas zusammengearbeitet, gut gekannt hat er sie alle: Eine lebende Legende eben, da passte es gut, dass er noch seinen 100. Geburtstag im Dezember 2016 groß gefeiert hat. Bekannte Filmschaffende wie Regisseur Steven Spielberg oder der Produzent Arthur Cohn zählten zu den Gratulanten auf der Feier; und an seiner Seite war natürlich auch Kirks zweite Ehefrau Anne. Die aus Deutschland stammende Produzentin hatte er in Paris kennengelernt und 1954 geheiratet. Später wurde nur noch im kleinen Kreis gefeiert. Öffentlich aufgetreten ist Douglas noch einmal im November 2018: Im Rollstuhl sitzend, war er dabei, als Sohn Michael auf dem „Walk of Fame“ in Los Angeles verewigt wurde – nicht weit von der Stelle, die seit langem seinen eigenen Namen vermerkt.

Oft mit Burt Lancaster gedreht

Nun trauern die Familie und die Filmwelt um den Leinwandhelden, der seinen liberalen Überzeugungen immer treu blieb. Noch mit fast 100 warnte er vor den Folgen eines Wahlsieges von Donald Trump; er zitierte eine von dessen Reden, in denen Trump Vorbehalte gegen Einwanderer äußerte. Das seien nicht die Werte, für die seine Generation im Zweiten Weltkrieg gekämpft habe, schrieb Douglas.

Der Einwanderersohn hatte sich seine Karriere selbst hart erstritten. Als Ringer auf Jahrmärkten finanzierte er ein Studium, dem eine Schauspielausbildung folgte. Die Schauspielerin Lauren Bacall, die er von früher kannte, ebnete ihm mit einer Empfehlung den Weg nach Hollywood. Douglas spielte in mehr als 80 Filmen mit, allein mit Burt Lancaster stand er sieben Mal vor der Kamera, zuletzt in der Gaunerkomödie „Archie & Harry“ von 1986. Wenn ihn Schicksalsschläge trafen – so starb sein jüngster Sohn Eric mit 46 Jahren an einer Überdosis Tabletten und Alkohol –, half ihm wohl ebenfalls sein Lebensmotto „Gib niemals auf!“. Wer es beherzigt, kann offenbar auch eine solche Karriere absolvieren, ohne sich zu verbiegen. Und er vermag sehr alt zu werden.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/kultur

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