Kino

Noch ein Superheldenspaß

„Deadpool 2“: David Leitch setzt auf Anarchie, Humor, Härte und seine namhaften Hauptdarsteller

Glaubt man dem Presseheft, gab es zu „Deadpool 2“ keine finale Fassung des Drehbuchs. „Noch während wir mit der Postproduktion beschäftigt waren“, so Rhett Reese, mit Hauptdarsteller Ryan Reynolds und Paul Wernick einer der drei Autoren, „änderten wir Dialoge. Da das Gesicht unseres Helden hinter einer Maske verborgen ist, konnten wir ihm Worte wie wir wollten in den Mund legen.“ Das erklärt auch, warum man als Zuschauer rätselt, worum es in dem Superheldenspaß geht – was für die Verantwortlichen möglicherweise gar nicht von Belang war.

Eher bescheidene Summe

Über 783 Millionen Dollar spielte der erste Teil nämlich ein. Berücksichtigt man die 58 Millionen Dollar Herstellungskosten, für Hollywood-Verhältnisse eine bescheidene Summe, war eine Fortsetzung geradezu Pflicht. Zudem kam der Erfolg für das beteiligte Studio 20th Century Fox – es wurde dann von Disney aufgekauft – eher überraschend. Man hatte auf Anarchie, Humor und Härte gesetzt, im Unterschied zum anderen hauseigenen Erfolgs-Franchise, den „X-Men“ und ihrem beliebten „Wolverine“, wo man traditionell auf Effekte, Spektakel und Überwältigung baut und darauf vertraut, dass sich die Comicfans ohnehin kein Abenteuer mit ihren persönlichen Lieblingen entgehen lassen.

Eiserner Glaube

Wer hätte schon geglaubt, dass man mit einem besserwisserischen, krebskranken Schandmaul punkten kann, einem versoffenen Narbengesicht, das sein heruntergekommenes Quartier mit einer blinden, kratzbürstigen Frau teilt, deren Wortschatz bevorzugt aus F-Wörtern besteht? Doch die Rechnung ging auf, nicht zuletzt dank Reynolds („Green Lantern“), der eisern an das Projekt glaubte und sich daran auch als Produzent beteiligte.

Als Regisseur hat man den Ex-Stuntman David Leitch („Atomic Blonde“) verpflichtet, das Budget ordentlich aufgestockt, in Sachen Ausstattung zugelegt. Nicht kleckern, klotzen! Sprich ein paar neue Figuren – im riesigen Marvel-Universum hat man ja die Qual der Wahl –, ordentlich scheppernde, überlange Kämpfe nebst einer wüsten Verfolgungsjagd durch Vancouvers Innenstadt, in die unter anderem ein überlanger Lastzug und ein Motorrad involviert sind, sowie böse Sprüche und zig popkulturelle Referenzen.

Ganz bewusst hat man wieder ein R-Rating – Jugendlichen unter 17 Jahren ist der Kinobesuch nur in Begleitung Erwachsener gestattet – in Kauf genommen, um sich einer deftigeren Sprache bedienen zu können und in Sachen Gewalt zuzulegen. Deadpool, Cable (Josh Brolin), Colossus und Co. dreschen aufeinander ein, Ninjas turnen durchs Bild, Taxifahrer Dopinder (Karan Soni) träumt von Sex mit Kirsten Dunst – eben „so wie Tom Cruise in ‚Interview mit einem Vampir’“ ; eine X-Force, eine „verkackte Super-Duper-Truppe“, wird gegründet und das (Mutanten-)Waisenhaus des sadistischen, pädophilen Headmaster (Eddie Marsan) gestürmt, während Deadpool seinem ums Leben gekommenen Herzblatt Vanessa (Morena Baccarin) – „gib mir einen Kuss und red’ keinen Stuss“ – nachtrauert.

Pinkfarbene Haare

Zazie Beetz sorgt als Domino für Black Power, die rebellische Negasonic Teenage Warhead (Brianna Hildebrand) ist erneut mit von der Partie, zur Seite steht ihr Freundin Yukio (Shioli Kutsuna), ein agiles, fröhliches Tokio-Girlie mit pinkfarbenem Haar. Der pummelige Russell (Julian Dennison) gibt den pubertierenden Teen, der mit seinen Händen Feuerbälle verschießen kann und wenig von Autoritäten hält. Eine launig-laute Marvel-Verknüpfung ist das, reichlich Zeitlupe und Hit-Soundtrack inklusive.