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Rache einer trauernden Mutter

Archivartikel

„Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“: Tragikomödie mit Chance auf Oscar

Es war schon der große Gewinner bei den Golden Globes: Gleich vier Auszeichnungen gab es für die Tragikomödie „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“, darunter auch den Globe für den besten Film. In wenigen Wochen könnte bei der Oscarverleihung noch die eine oder andere Trophäe folgen.

Tatsächlich ist das schwarzhumorige Werk einer der ungewöhnlichsten Filme der vergangenen Monate: Der irische Dramatiker und Regisseur Martin McDonagh („7 Psychos“) erzählt in seinem dritten Langfilm von einer Mutter (Frances McDormand), deren Tochter auf grausamste Weise umgekommen ist, und die sich jetzt auf einem Rachefeldzug der besonderen Art befindet. Zu den weiteren Darstellern zählen renommierte Kino-Namen wie Woody Harrelson, Sam Rockwell und Peter Dinklage.

Die Eröffnungssequenz ist eine Augen- und Ohrenweide: Die titelgebenden, hochbetagten „Billboards“ (Plakatwände), die völlig verwaist, nebelumschlungen und kaum noch entzifferbar im Nichts des Bundesstaates Missouri ihr Dasein fristen. Protagonistin Mildred Hayes, die ihre Tochter auf brutale Art verloren hat, mietet die drei Billboards, um so dem Polizeichef des Ortes sein Versagen tagtäglich in großen Lettern vor Augen zu führen: Wie kommt es, fragt sie Polizeichef Chief Willoughby, dass es bei diesem Verbrechen noch immer keine Festnahme gibt? Es wird ein Kampf gegen machohafte Männer und ignorante Polizisten werden.

Immer wieder muss man in diesem Film an den Humor der Coen-Brüder denken, vor allem aber an deren „Fargo“ – diesen ebenfalls sehr schwarzhumorigen Winterfilm aus dem Jahr 1996. Der Film ist ein außerordentlich gelungenes Stück Kinounterhaltung. Regisseur Martin McDonagh schenkt uns exquisite, lange nachklingende Bilder; seine Figuren dürfen sich entwickeln; das Drehbuch spielt geschickt mit den Erwartungen der Zuschauer. Es gibt hier einen der lakonischsten und traurigsten Selbstmorde der Filmgeschichte, und die wunderbar suggestive und sehr melancholische Musik von Carter Burwell tut ein Übriges.

Es spricht also in der Tat einiges dafür, dass das so wild verrückte und schwarzhumorige wie schwermütige „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ beim Rennen um die diesjährigen Oscars, die Anfang März vergeben werden, ein paar Wörtchen mitreden wird. dpa