Kino

Schwere Jungs mit coolen Sprüchen

Archivartikel

„Asphaltgorillas“: Detlev Buck zeigt sich in seinem Film nach einer Kurzgeschichte von Ferdinand von Schirach hart

Detlev Buck ist einer der vielseitigsten heimischen Filmemacher. Bereits vor seiner Zeit an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin debütierte der Bad Segeberger, Jahrgang 1962, mit seinem zum Kultfilm avancierten „Erst die Arbeit und dann?“ als Regisseur, Autor und Schauspieler. 1992 gelang ihm mit „Wir können auch anders“ der kommerzielle Durchbruch.

Als Spezialist für Kinderfilme hat er sich bei „Hände weg von Mississippi“ und den inzwischen vier „Bibi & Tina“-Abenteuern erwiesen, doch auch „Knallhart“ kann er sein, so auch der Titel seines prämierten Dramas über gewaltbereite Gangs in Berlin.

In die deutsche Hauptstadt kehrt er nun zurück. Neonlicht spiegelt sich in den regennassen Straßen, das erinnert an die Großstadt-Actioner eines Walter Hill („Straßen im Flammen“) und den Achtzigerjahre-Flair der Kultserie „Miami Vice“. Eine klassische Genrearbeit bekommt man geboten, eher bevölkert von Typen als durchgezeichneten Figuren.

Atris (Samuel Schneider) heißt der (Anti-)Held. Er dealt Drogen, ist Handlanger von Unterweltboss El Keitar (Kida Khodr Ramadan), der ihm ebenso auf die Nerven geht wie die Mama, die nichts anders im Sinn hat, als ihn zu verheiraten. Da läuft er seinem Kumpel Frank (Jannis Niewöhner) zufällig vor den Lamborghini. Umarmung, Schulterklopfen, „ey, Alter!“ – und bald ist ein Coup eingefädelt: eine Falschgeldnummer, die die beiden all ihrer Sorgen entledigen soll...

Ein B-Picture-Plot nach einem Drehbuch von Constantin Lieb, Cüneyt Kaya und Buck, basierend auf der Kurzgeschichte „Der Schlüssel“ aus Ferdinand von Schirachs Erzählband „Schuld“, wendungs- und temporeich, da fallen die Logiklücken nicht weiter ins Gewicht. Dazu kommen Koks und dicke Knarren, eine furchtlose, coole Diebin namens Marie (Ella Rumpf) und eine mongolische (Nah-) Kampfmaschine (Uisenma Borchu), die jedem Martial-Arts-Film in Können und Aussehen zur Ehre gereichen würde. Nicht zu vergessen Pelzmantel-Zuhälter Ronny, gewohnt eigen gespielt vom Wienerisch näselnden Georg Friedrich („Wilde Maus“), der Atris zur Seite stehen soll, dabei aber nur für zusätzliches Chaos sorgt.

Wohlgeformte Damen rutschen mit gespreizten Beinen kopfüber Pole-Dance-Stangen hinunter, Fausttreffer werden in Zeitlupe gelandet, auch Kickbox-Einlagen werden nicht vergessen, die „voll krasse“ Checker-Sprache gepflegt – „Nimm deine dreckige Schlampe und verpiss dich!“. Autos werden ausgetauscht und zu Schrott gefahren, ein Kampfhund geht, besser läuft, an langer Leine neben der Nobelkarosse Gassi, und zwischendurch sitzt ein Gorilla im lilafarbenen Urwald und klatscht Beifall.

Schurke mit Bart

Im Videoclipstil ist die „Geschichte einer Freundschaft“ inszeniert, 48 Stunden in 103 Minuten, erläutert aus dem Off. Final geht’s nach Tokio – Fördergelder machen’s möglich –, wo die Lichter noch heller leuchten als in der Spreemetropole. „Verkauf das letzte Hemd für die Karten vom Konzert...“ rappt Deichkind vom Soundtrack, die jugendliche Zielgruppe fest im Visier. Die bösen Buben rollen mit eingezogenem Kopf die Schultern, der von Kida Khodr Ramadan verkörperte Oberschurke trägt IS-Rauschebart.

Samuel Schneider („Exit Marrakech“) agiert eher unauffällig, zum Chargieren neigt Jannis Niewöhner, der sich aber dank seines Auftritts als Gideon de Villiers in der „Edelsteintrilogie“ seiner weiblichen Verehrerinnen ohnehin sicher sein darf. Buck beweist regelmäßig gutes Gespür für angesagte, jugendaffine Themen – mal sehen, ob er auch diesmal wieder richtig liegt.