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„Rate Your Date“: Regisseur David Dietl beschäftigt sich mit den Problemen von Dating-Apps

Wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen – diesen Grundsatz beherzigen immer mehr Regisseure, die sich mit ihren Geschichten dem von sozialen Netzwerken geprägten Zeitgeist anpassen. Auch die große Liebe findet man heutzutage längst nicht mehr an der Supermarktkasse. Stattdessen stehen Dating-Webseiten und Smartphone-Apps wie Tinder hoch im Kurs.

Nach „Safari – Match Me If You Can“ ist „Rate Your Date“ der nächste Film, in dessen Zentrum eine solche App steht. Und so viel lässt sich vorab sagen: Gäbe es „Rate Your Date“ im echten Leben, hätte Tinder wohl ausgedient. Umso bedauerlicher ist es da, dass Regisseur David Dietl, Sohn der deutschen Regielegende Helmut Dietl, wenig aus dem Konzept herauszuholen vermag.

Plattform zum Mobben

Teresa (Alicia von Rittberg) trifft jedes Wochenende neue Kerle und kostet ihr Leben als Single in Berlin in vollen Zügen aus. Ihre alleinerziehende beste Freundin Patricia (Nilam Farooq) ist das genaue Gegenteil. Sie glaubt noch an die große Liebe. Und deshalb datet sie nicht wahllos Typen, sondern wartet, bis es von ganz allein „Klick“ macht. Zu oft musste sie schon feststellen, dass die Männer etwas ganz anderes sind als sie vorgeben. Für Teresa ist diese Erkenntnis die Initialzündung für ein Projekt: Sie will eine App entwickeln lassen, über die man seine Date- und Sexpartner mit Hilfe von Hashtags bewerten kann. #Sextremist oder #MissPerfect? #Heartbreaker, #CrazyBitch oder #Hinhalter?

Bei ihren neuen Freunden Anton und Paul schlägt dieses Konzept voll ein und die Clique macht sich ans Programmieren. Tatsächlich liebt ganz Deutschland die App, doch als Teresa vorschlägt, dass die Nutzer auch ihre eigenen Hashtags vergeben können, schlägt die Stimmung um und aus der Dating-Plattform wird eine App zum Mobben.

Dass „Rate Your Date“ lange Zeit glaubhaft ist, liegt daran, mit welchem Feingefühl Regisseur und Autor David Dietl aufzeigt, wie dieses Wunderwerk der Datingtechnologie überhaupt zu einem solchen Erfolg werden konnte. Wenn man den vier Hauptdarstellern so beim Ideensammeln zusieht, bekommt man ein Gespür für die Hingabe für das Projekt.

Doch leider bezieht sich dieser Eindruck nur auf die erste Hälfte des Films. David Dietl und seine Co-Autorin Katharina Eyssen entscheiden sich nämlich in der zweiten dafür, auch die Schattenseiten des Onlinedatings aufzuzeigen. Die Art und Weise, wie das geschieht, ist leider allzu oberflächlich. Die Idee der selbst erstellten Hashtags, über die man sein Date eben dann auch als #FetteSau oder dergleichen bewerten kann, läuft aus dem Ruder. Irgendwann berichten sogar die Medien von der „Mobbingapp“. Wenn sich im letzten Drittel schließlich sogar ein Mädchen aus dem Fenster stürzen will, weil sie über die App fertiggemacht wird, inszeniert Dietl diese Szene als oberflächlichen Spannungsmoment und nicht als Anklage gegen die fehlende Weitsichtigkeit bei der App-Entwicklung.

Dietls neuer Spielfilm „Rate Your Date“ bleibt bis zuletzt eine Komödie mit flotten Sprüchen und gestylten Darstellern, die den Ernst der Lage nicht zu begreifen scheinen. Da hilft es auch nicht, dass das Ensemble leidenschaftlich aufspielt.