Kino

„Abgeschnitten“: Ein Horrorthriller mit Moritz Bleibtreu nach Sebastian Fitzeks Roman

So groß, wie es die Vorlage verdient

Sebastian Fitzek ist aktuell der Star am literarischen Horrorthriller-Himmel. Bisher erklomm fast jedes seiner neuen Werke die Spitze der Bestsellerlisten. Das gilt auch für „Abgeschnitten“ aus dem Jahr 2012. Christian Alvart, der sowohl den Kino-„Tatort“ „Tschiller: Off Duty“ als auch diverse Horrorwerke wie „Fall 39“ für das Ausland verfilmte, nimmt sich nun mit einer deutschen Starbesetzung jenen Roman vor. Dabei muss man „Abgeschnitten“ zugestehen: Der Film ist enorm spannend, da verzeiht man ihm auch die ein oder andere Effekthascherei gern.

Für den Rechtsmediziner Paul Herzfeld (Moritz Bleibtreu) beginnt dieser Tag wie jeder andere, doch er endet in einem größtmöglichen Albtraum: Bei der Obduktion einer Leiche entdeckt er die Telefonnummer seiner Tochter Hannah (Barbara Prakopenka) im Schädel der Toten. Als er die Nummer anruft, hört er sein Kind nur noch um sein Leben flehen; und darum, sich fortan strikt an die Anweisungen zu halten. Eine perverse Schnitzeljagd führt ihn erst zum toten Erik und schließlich zur Comiczeichnerin Linda (Jasna Fritzi Bauer), die diesen Erik durch Zufall am Strand von Helgoland entdeckt hat.

Um weiteren Hinweisen nachzugehen, ist Paul gezwungen, Linda am Telefon durch eine Obduktion des Leichnams zu führen. In Ender Müller (Fahri Yardim), dem Hausmeister des Krankenhauses, findet die junge Frau Unterstützung. Der erste Schnitt mit dem Skalpell sitzt und mit der Zeit erschließen sich allen drei Beteiligten die Dimensionen, die dieser besondere Fall ihnen eröffnet. Denn der Killer (Lars Eidinger) ist immer noch da draußen und hat mit seinem neuen Opfer Hannah ganz gezielte Pläne.

Hin und wieder deutet sich dabei an, der erfolgreiche Schriftsteller habe so seine ganz eigenen Vorstellungen davon, wie man Gewalt möglichst reißerisch in Worte fassen kann. So merkt man Christian Alvarts Verfilmung des rund 400 Seiten dicken Romans auch an, dass an vorderster Front der Unterhaltungswert steht (das können Fitzek und sein hier als Co-Autor auftretender Rechtsmediziner-Kollege Michael Tsokos nun mal am besten). Da geht es dann auch immer mal ein wenig daneben, wenn sich der auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnende Filmemacher daran wagt, die mehr schlechte als rechte Gesellschaftskritik ebenfalls zu berücksichtigen.

Auf Logik und Nachvollziehbarkeit sollte man den mit Horroranleihen versehenen Thriller auf keinen Fall abklopfen. Dennoch gelingt es den Machern, das Publikum über eine stolze Laufzeit von knapp zweieinhalb Stunden bei der Stange zu halten. Die Mischung aus falschen und richtigen Fährten, die Alvart in angenehmer Unregelmäßigkeit streut, heben sich merklich von klassischen TV-Krimi-Schemata ab.