Kino

So weit die Füße tragen

„Zwischen zwei Leben – The Mountain Between US“: Elemente von Abenteuer- und Liebesfilm

Im Oktober 1972 stürzte in den Anden ein Flugzeug ab. An Bord befand sich das Rugby-Nationalteam aus Uruguay, einige der Sportler kämpften sich in der Folge in die Zivilisation zurück. Die wahre Geschichte, in der es am Rande auch um Kannibalismus ging, hat Frank Marshall 1993 unter dem Titel „Überleben!“ für das Kino aufbereitet. Ähnlich gelagert, weit weniger spekulativ und ohne auf Tatsachen zu basieren, ist „Zwischen zwei Leben – The Mountain Between Us“.

Auf dem Roman von Charles Martin fußt das schnörkellose Skript von J. Mills Goodloe („Für immer Adaline“) und Chris Weitz („Cinderella“). In einer Warteschlange auf einem Flughafen in Idaho kreuzen sich die Wege der beiden Protagonisten. Ein Unwetter ist angekündigt, alle Linienflüge sind bis auf Weiteres gestrichen. Doch damit mag sich die erfolgreiche, weit gereiste Fotojournalistin Alex (Kate Winslet) nicht abfinden. Sie will ihre eigene, für den nächsten Tag geplante Hochzeit in New York nicht versäumen. Also beschließt sie, eine Sportmaschine zu chartern. Um ihre Kosten zu senken, bietet sie Neurochirurg Ben an, sie zu begleiten.

Was zunächst wie eine Lösung ihrer Probleme aussieht, entpuppt sich bald als Katastrophe. Der Pilot erleidet einen tödlichen Herzinfarkt, der kleine Viersitzer zerschellt im tief verschneiten Hochgebirge. Furios fotografiert ist dieser Crash, aus subjektiver Sicht hat ihn Kamerafrau Mandy Walker („Australia“) aufgenommen. Dann herrscht gespenstische Ruhe. Alex ist zwei Tage lang bewusstlos. Als sie endlich aufwacht, gilt es eine schwere Entscheidung zu treffen: Bleiben

und auf Hilfe warten oder versuchen, sich auf eigene Faust ins Tal zu retten...

Typischer Abenteuerfilm

Eisige Temperaturen, heftige Niederschläge und eine Raubkatze setzen dem Duo zu – hinzu kommen Hunger und Verletzungsschmerzen. Gemeinsam muss man handeln, sich gegenseitig vertrauen. Schwierig für die beiden unterschiedlichen Charaktere. Auf die Interaktion seiner in einer feindlichen Wildnis gefangenen Helden konzentriert sich der Regisseur. Auf ihre Mimik, ihre Gestik. Zeigt wie sie sich zunächst streiten, skeptisch belauern, dann langsam einander annähern und schließlich ineinander verlieben.

Der Beginn einer existenzialistischen Lovestory. Von der guten Chemie der Hauptdarsteller profitiert das Werk, von Winslets nuanciertem Spiel und Elbas unglaublicher Leinwandpräsenz. Sorgsam eingebaut sind die wenigen (möglichen) Actionsequenzen – Höhepunkt dabei die, in der die Frau auf einem gefrorenen See einbricht. Hinzu kommen grandiose kanadische Landschaftsbilder, majestätische Panoramen von schier unglaublicher Weite. Ein wenig ermüdend – und eigentlich überflüssig – ist das schleppende Finale, in der der potenzielle Ehemann von Alex in Person von Dermot Mulroney kurz in die Handlung eingreift. Aber da ahnt der Zuschauer schon längst, wie sich der Plot auflösen wird.