Kino

Synchron gegen das Stimmungstief

Archivartikel

„Swimming with Men“: Die britische Komödie zeigt, wie mittelalte Männer den Weg aus ihrer Lebenskrise finden

Das Leben kann hart sein, vor allem, wenn man ein Mann in der Midlife-Krise ist. Manche kaufen sich ein Motorrad, andere werden zum Marathon-Läufer. Als es beim britischen Buchhalter Eric (Rob Brydon) soweit ist, wählt er einen anderen Weg - und tritt einem Amateur-Team für synchronisiertes Schwimmen bei. Die Gruppe besteht aus acht Männern. Alle sind auf ihre jeweilige Weise in der Krise, keiner eigentlich so richtig, sportlich, oder zumindest nicht so elegant, wie man sich das bei Synchronschwimmern vorstellt.

„Swimming with Men“, das ist eine trockene Komödie über „mittelalte Männer in zu kleinen Badehosen, die aus verschiedenen Gründen komische Figuren im Wasser aufführen“, wie einer der Schwimmer es selbst formuliert.

Regisseur Oliver Parker hat ein Figurenkabinett an selbstironischen Underdogs versammelt, bei denen der Bauch in gravitätischer Eleganz über den Schwimmhosenbund schwappt. Neben dem Komiker Brydon konnte Parker unter anderem Rupert Graves („Sherlock“) und Jim Carter („Downton Abbey“) dafür gewinnen. Durch die Einstudierung von Schwimm-Figuren („Der Schneebesen“, „Die welkende Blüte“) versuchen die Männer, ihrem Leben wieder ein bisschen Würde zu verleihen. Die Sache nimmt dann etwas an Dramatik auf, als das Team beschließt, an der inoffiziellen Weltmeisterschaft im Männer-Synchronschwimmen teilzunehmen.

Dicke Bäuche im Wasser

Trainerin Susan gibt ihnen hilfreiche Tipps, rät ihnen etwa, aufzuhören, ihre Bäuche einzuziehen („Wenn ihr sie habt, nutzt sie auch“). Mit viel Situationskomik und angenehmem britischem Understatement entfaltet sich die Geschichte, und mehr als einmal ist unklar, ob das Team es tatsächlich zur Schwimm-WM nach Mailand schafft. Ohnehin ist die Konkurrenz dort sehr groß. Einen Gastauftritt hat sogar ein echtes Amateur-Team für synchronisiertes Schwimmen aus Schweden, über das 2010 bereits der Dokumentationsfilm „Men who Swim“ (Regie: Dylan Williams) gedreht wurde.

Die Arbeit mit seinem Schwimmteam wird für Eric zur persönlichen Reise. Langsam tritt er seinen Mitmenschen anders gegenüber. Die Fahrt im Fahrstuhl des Büros wird für ihn zum Tauchgang durchs Wasser, und er fängt an, währenddessen die mitfahrenden Kollegen zu synchronisieren. Alles hat jetzt einen Zauber. Sein Leben zu ändern – oder zumindest seine eigene Haltung zu den Dingen – kommt Eric plötzlich nicht mehr so unmöglich vor. Da erscheint es auch gar nicht mehr so wichtig, was genau bei den inoffiziellen Weltmeisterschaften passiert.