Kino

Tödliche Stille

„A quiet place“: Horror und Thrill – Bei „A Quiet Place“ erweist sich John Krasinski, den man vor allem als mokanten Jim Halpert der TV-Hitserie „Das Büro“ kennt, als versierter Genrefilmregisseur

Die Apokalypse hat bereits stattgefunden. Wieder einmal. Das kennt man aus dem US-Unterhaltungsgeschäft hinlänglich, siehe die „Terminator“-Abenteuer oder die Erfolgsserie „The Walking Dead“. Die Erde ist zur unwirtlichen Wildnis mutiert, wer überleben will, muss findig sein, hart, kämpferisch und gnadenlos.

Bei Regisseur John Krasinski ist der Blaue Planet nun „A Quiet Place“, ein „stiller Ort“, der von rätselhaften, scheinbar unverwundbaren und blitzschnellen Kreaturen übernommen worden ist, die durch jedes noch so kleine Geräusch angelockt werden. Ewig hungrig sind sie, stets auf der Jagd. Wer ihren scharfen Zähnen entkommen will, muss sich lautlos verhalten. Eine einfache, wirksame Prämisse.

Die erste Sequenz, platziert vor den Eröffnungstiteln, gibt den Ton vor. Ein typisch amerikanischer Drug Store. Umgestoßene, halbleere Regale. Zwielicht, gespenstische Stille. Eine Familie, Vater (Krasinski), Mutter (Emily Blunt) und drei Kinder, ist auf der Suche nach Lebensmitteln und Medikamenten. Man verständigt sich via Handzeichen, bewegt sich vorsichtig, geduckt. Nur kein Laut. Unbeobachtet steckt sich der kleine Sohn ein batteriebetriebenes Mini-Space-Shuttle ein. Auf dem Heimweg durch den Wald schaltet er das Spielzeug ein. Ein durchdringender Pfeifton. Aus dem Gebüsch springt ein Wesen, greift sich den Buben und reißt ihn in Stücke. Eine Sache von Sekunden. Ein Schock.

Hart im Gegensatz dazu steht die pastorale Idylle, in der dieser clevere Horror angesiedelt ist. Wogende Maisfelder, saftig grüne Wiesen und Wälder, eine ansehnliche, gepflegte Farm mit einem hoch aufragenden Silo, das als Aussichtsplattform dient. Das Heim erweist sich als Burg – wie heißt es im Englischen: „My Home is my Castle“. Eine Alarmanlage, Überwachungskameras. Am Holzboden hat man markiert, wohin die Fußsohlen zwecks Geräuschvermeidung gesetzt werden müssen, rote Lichterketten signalisieren, wenn Gefahr droht…

Fesselndes Thriller-Kino

Viel Wert haben die eingespielten „Nightlight“-Drehbuchautoren Bryan Woods und Scott Beck sowie Krasinski („Promised Land“) auf Details gelegt, sich primär auf ihre vier Protagonisten konzentriert. Geschickt ziehen sie die Spannungsschraube an, fast ohne Worte kommt ihr etwas anderer (Stumm-)Film aus, den Marco Beltrami („Tödliches Kommando – The Hurt Locker“) mit einem pointiert eingesetzten (Grusel-)Soundtrack versehen hat.

Besonders an den Nerven zerrt jene Szene, in der die schwangere Mama – gewohnt souverän verkörpert von Blunt („Girl on the Train“) – im Haus von einem Monster gejagt wird. Ihre Wehen haben inzwischen eingesetzt, zu allem Überfluss ist sie zudem barfuß auf einen rostigen Nagel getreten. Genre pur. Kleine Logiklücken inklusive. Mit erschreckenden, computergenerierten Ungeheuern, die an HR Gigers stilgebende „Aliens“ erinnern. Michael Bays Erfolgsfirma Platinum Dunes, die auch die Erfolgsreihen „The Purge“ und „Ouija“ verantwortete, zeichnet für die Produktion verantwortlich, fesselndes, besonders für einschlägige Fans vorhersehbares Thriller-Kino bekommt man geboten.