Kino

Der neue Film Joachim Lang inszeniert mit Lars Eidinger und Tobias Moretti in den Hauptrollen „Mackie Messer“ über Bert Brecht

Und der Haifisch, der hat noch Zähne

Die bekannte Moritat von Mackie Messer steht auch hier am Anfang: „Und der Haifisch, der hat Zähne…“, hört man von der Bühne, während Bertolt Brecht und Kurt Weill, die Schöpfer der „Dreigroschenoper“, oben in der Loge der Generalprobe lauschen. Zu Beginn des Spielfilms von Joachim A. Lang geht es um die 1928 erfolgte Uraufführung des berühmten Stücks, alsbald aber um dessen Verfilmung, von der sich die Autoren erhoffen, ihre Wirkung und ihren Ruhm noch zu mehren.

Die schon zu Beginn sichtbare Parallelität zwischen dem, was die Autoren tun und sie bewegt, und ihrem Stück bleibt leitend für die prominent besetzte, spannungsreiche Produktion „Mackie Messer. Brechts Dreigroschenfilm“. Der ambitionierte und sehenswerte Film verknüpft Szenen aus der „Dreigroschenoper“ mit einer Handlung, die von den Versuchen Brechts erzählt, eine in ihrer antikapitalistischen Tendenz noch verschärfte und von den Produzenten akzeptierte Filmform zu finden. Die Szenen sind (auch) als Illustrationen von Brechts Ideen gedacht, dessen Stück Georg Wilhelm Pabst später verfilmte.

Und im Ganzen geht es dann auch – in teils dokumentarischen Aufnahmen – um die letzten Jahre der Weimarer Republik und um den Aufstieg der Nationalsozialisten in Deutschland. Konsequenterweise agieren hier zwei Hauptdarsteller: Der bissig wortgewandte, ewig Zigarre rauchende Dichter wird vom einmal mehr überzeugenden Lars Eidinger verkörpert; in der Rolle des verschlagenen Gangsterkönigs Mackie Messer, Haupt- und bekannteste Figur des Stücks, ist ein grandios aufspielender Tobias Moretti zu erleben. Für darstellerischen Glanz sorgen daneben Joachim Król, Claudia Michelsen, Hannah Herzsprung, Christian Redl und Robert Stadlober.

Das Konzept trägt, auch wenn es vielleicht nicht immer leicht fällt, den Überblick zu bewahren und jedem der scharfen Dichterworte auf den Grund zu gehen. Manches erscheint als recht verkopft, während anderes vor allem als knallbunte Brecht-Revue zu erleben ist. Die lebensprallen Szenen der „Dreigroschenoper“ sollen den Nicht-Kennern von Brecht den Zugang erleichtern sowie deren bleibendes sozialkritisches Potenzial ausweisen: Immerhin wird hier ein Gangster letztlich zum Bankdirektor.

„Der Film braucht Kunst“, sagt Brecht einmal, der hier ausschließlich verbürgte Zitate oder solche aus seinem Werk spricht. Regisseur Lang, der zuvor etwa mit seinem Fernsehfilm „George“ überzeugte und auch das Drehbuch schrieb, hat dies offenbar auf sich bezogen. Die filmischen Mittel indes wirken, von der Parallelität und Verzahnung der Handlungsebenen sowie einigen (brecht’schen) Verfremdungseffekten abgesehen, dennoch eher konventionell. Aber auch dies scheint ja konsequent, denn wie sagt Lars Eidinger doch als Brecht in überlegenem Tonfall: „Es setzt sich nur so viel Wahrheit durch, wie wir durchsetzen.“ Zwischen künstlerischer Ambition und Eingängigkeit hält dieser Film deshalb stets die Waage.

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