Kino

Ungebrochener Schrecken

Archivartikel

„Friedhof der Kuscheltiere“: Kevin Kölsch und Dennis Widmyer verfilmen Gruselklassiker neu

Horror hat einen Namen: Stephen King. Er ist einer der meistgelesenen Autoren der Gegenwart, über 400 Millionen Bücher hat er weltweit verkauft. Nicht minder erfolgreich sind die Kinoversionen der Romane: Brian De Palmas „Carrie – Des Satans jüngste Tochter“, Rob Reiners „Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers„ oder John Carpenters „Christine“ sind Klassiker der Gänsehautunterhaltung.

Nicht ganz in diese Liga stieß Mary Lambert 1989 mit „Friedhof der Kuscheltiere“ vor, obwohl der Schock-Maestro da fürs Drehbuch verantwortlich zeichnete. Egal, denn die Adaption entpuppte sich als Hit – mit Platz vier in der Reihe aller King-Verfilmungen, geschlagen nur von „Es“, „The Green Mile“ und Stanley Kubricks „Shining“.

Blutige Kost

Vielleicht ist das der Grund, dass sich nun das Regie-Duo Kevin Kölsch und Dennis Widmyer an eine erneute Bearbeitung des Stoffes gemacht haben – die insgesamt dritte, da Lambert ihrem Erfolg 1992 die Fortsetzung „Friedhof der Kuscheltiere II“ folgen ließ. Dabei halten sich die Filmemacher – nach dem Skript von Jeff Buhler („The Prodigy“) – recht nah ans Original, entwickeln ihre Story fast gemächlich, ehe sie ab der Mitte auf so manchen grellen Effekt setzen. Was die FSK-Freigabe ab 16 Jahren recht fragwürdig macht. Andererseits sind heutige Kids wohl einfach hartgesottener und nur mit deftiger, sprich blutiger Kost von ihren Computerkonsolen wegzulocken.

In diesem Fall nach Ludlow, eine beschauliche Kleinstadt im US-Bundesstaat Maine. Hier wollen Dr. Louis Creed – gespielt von Jason Clarke – und seine Frau Rachel (Amy Seimetz) gemeinsam mit ihren Kindern Gage (Hugo Lavoie) und Ellie (Jeté Laurence) der Hektik der Großstadt entfliehen. Sie beziehen ein idyllisch am Waldrand gelegenes Haus, unweit entfernt liegt die Titel gebende, ehemals indianische Begräbnisstätte, die bald für Furcht und Grauen sorgt und um deren Geheimnis ihr kauziger, zugleich aber auch freundlicher Nachbarn Jud Crandall (John Lithgow) weiß.

Wer King kennt – und mag – kommt voll auf seine Kosten. Das Personal ist ebenso bekannt wie die Gruselversatzstücke. Da gibt es Kinder, die bei Beerdigungsprozessionen ihre Gesichter hinter Tiermasken verbergen, während die Mama von Visionen ihrer toten Schwester heimgesucht wird, ein schrecklich entstelltes Unfallopfer (Obssa Ahmed) mit aufgeplatztem Schädel vor kommendem Unheil warnt und Lastwägen donnernd über die Landstraße brausen. Bis in Folge eines tragischen Unglücks das abgrundtief Böse freigesetzt wird, zunächst in Form einer schmusigen Hauskatze, die als zerrupfte Ausgeburt der Hölle wiederkehrt. Eine erneute Zombievariante, die gekonnt auf die sogenannten „Jumpscares“ setzt, die den Zuschauer ein ums andere Mal aus dem Sessel hochfahren lassen.

Handwerklich ist alles sauber umgesetzt, die Macher spielen versiert auf der Klaviatur des (Er-)Schreckens. Lange Schatten, knarzende Dielen, schummerige, staubige Räume, schräg einfallendes Licht, unheimliche Musik. Und immer wenn die Kamera von Laurie Rose („Peaky Blinders – Gangs of Birmingham“) ganz nah an die Figuren heranfährt, weiß man, dass nun wieder ein Herzschlagmoment angesagt ist – oder vielleicht doch nicht. Ein somnambuler, etwas anderer Home-Invasion-Thriller, der mit menschlichen Urängsten spielt, Themen wie Glauben und Aberglauben streift und nicht zuletzt dank des überzeugend agierenden Ensembles – hervorzuheben vielleicht Lithgow („Hinterm Mond gleich links“) als Hinterwäldler mit Herz – gut funktioniert. Nur: Das Ganze ist nichts für schwache Nerven.