Kino

Vom Kutter in die Charts

„Fisherman’s Friends“: Film erzählt die Erfolgsgeschichte des gleichnamigen Shantychors

Kino und Chor das passt, vertraut man den Zuschauerzahlen, gut zusammen. Whoopi Goldberg startete als untergetauchte Nachtclubsängerin im Nonnen-Habit laut Untertitel „Eine himmlische Karriere“, Emile Ardolinos Kriminalkomödie „Sister Act“ erwies sich 1992 als veritabler Hit, dem zwei Fortsetzungen folgten. „Wie im Himmel“ fühlten sich 2005 die Bewohner eines nordschwedischen Dorfs, als ein berühmter Dirigent ihren Kirchenchor übernahm, im Jahr davor hatte in „Die Kinder des Monsieur Mathieu“ ein Lehrer eine Gruppe schwer erziehbarer Jungs zur engelsgleichen Sangesgemeinschaft geformt.

Yuppies auf dem Land

Lieder berühren die Seelen der Menschen weltweit. So auch in Großbritannien, genauer gesagt in Cornwall, im verschlafenen Nest Port Isaac. Hier tauchen vier im Musikbusiness erfolgreiche Yuppies aus London auf. Einen Junggesellenabschied wollen sie feiern, misstrauisch beäugt von den Einheimischen. Unbeliebt machen sie sich, befahren mit ihrem dicken SUV eine Einbahnstraße in verkehrter Richtung, müssen nach missglücktem Stand-up-Paddling aus dem Meer gezogen werden.

Bald sehen Danny (Daniel Mays) und seine Kumpels die freiwilligen Seenotretter um Wortführer Jim (James Purefoy) wieder. Die wettergegerbten Herren treten als „Fisherman’s Friends“ am Hafen auf und geben Shantys zum Besten. Der gutgläubige Danny wird beauftragt, die zehn Hobbybarden unter Vertrag zu nehmen. Er quartiert sich in der Frühstückspension von Jims Tochter Alwyn (Tuppence Middleton) ein, versucht, die Männer zu einem Plattendeal zu überreden. Dummerweise ist ihm nicht klar, dass seine Mission bloß ein Scherz ist.

Ein Wohlfühlfilm, eine Komödie, ebenso unterhaltsam wie vorhersehbar. „Nach wahren Begebenheiten“ verrät ein Insert zu Beginn, im Abspann sind Fotos des echten Amateurensembles zu sehen, dazu bekommt man die Information, dass die Seebären in der Rubrik „Folk“ in ihrer Heimat in Sachen verkaufter Tonträger bis heute Spitzenreiter sind.

Gradlinig spult Regisseur Chris Foggin („Kids in Love“) seine Story ab, erzählt wie Danny den Respekt der Eigenbrötler und das Herz von Alwyn gewinnt. Der erste Auftritt auf einer Nobelhochzeit geht ob der Songs mit den (zu) anzüglichen Texten schief. Zudem verläuft die TV-Premiere nicht nach Wunsch, weil die patriotische Gesangsrunde zum Geburtstag der Königin die Nationalhymne von Cornwall statt der von England intoniert. Den Vertrag gibt’s schließlich doch. Zeitgemäß macht’s YouTube möglich, weil der Clip millionenfach geklickt wird.

Moderne gegen Tradition

Über die Unterschiede zwischen Stadt und Land wird räsoniert – auch festgemacht an Kleiderfragen –, hier das Streben nach Ruhm und Reichtum, da das beschauliche Leben in der Gemeinschaft, wo man sich regelmäßig zum Quizabend trifft und füreinander da ist. Hinzu kommt ein wenig Kapitalismuskritik – das verschuldete lokale Pub muss an einen Immobilienspekulanten verkauft werden –, einmal mehr stehen sich Tradition und Moderne im Weg.

Doch alles wendet sich zum Guten, der gutherzige Danny findet seine Mitte und in der Vinyl-Sammlerin Alwyn die perfekte Frau, deren aufgeweckte Herzblatt-Tochter Tamsyn ist mit der Wahl einverstanden. Da schmerzt es den (Ex-)Städter nicht einmal mehr, dass er sein Auto im Hafen geparkt hat. Bei Ebbe, was er bei Flut bereut.

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