Kino

Von der Bedeutung des Wassers

Archivartikel

„Grenzenlos“: Wim Wenders hat einen neuen Spielfilm inszeniert mit Alicia Vikander und James McAvoy

Keine acht Wochen her ist der Start von Wim Wenders’ Dokumentation „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“. Nun bringt der deutsche Filmemacher ein romantischeres Werk ins Kino. Ein Liebesdrama, in den Hauptrollen besetzt mit Alicia Vikander („Tulpenfieber“) und James McAvoy („Deadpool 2“). Nachdem Wenders in den zurückliegenden Jahren vor allem mit Dokumentationen auf sich aufmerksam machen konnte, will er nun mit einem eher konventionell gestrickten Spielfilm Erfolg haben, der einen Roman von J. M. Ledgard zur Grundlage hat.

Eine knappe halbe Stunde ist der Film alt, da kommt es zum ersten leidenschaftlichen Kuss der Protagonisten: Danielle ist eine Biomathematikerin, die sich im Labor ihren Forschungsobjekten widmet. Und sich bald auf eine Reise gen Meeresboden begeben soll, in unerforschte Tiefen. James ist als Spion im Dienste des britischen MI6, offiziell aber Wasserbauingenieur.

Gefangen von Islamisten

Kennen lernen sie sich in einem Hotel an der Atlantikküste; auf den ersten Kuss folgt eine leidenschaftliche Nacht. Viel mehr aber an Zeit ist den beiden nicht beschieden: Er muss nach Somalia, sie ins grönländische Meer. Als James zudem in die Fänge von Islamisten gerät und sich in einem Verlies wiederfindet, ist klar, dass es für die beiden wohl bei der Erinnerung an ein paar romantische Tage bleiben wird.

Je länger der Film währt, je größer das von James zu ertragende Leiden, umso mehr wächst McAvoy in seine Rolle hinein. Einen Gutteil seiner Dramatik zieht der Film daraus, dass die gemeinsame Leinwandzeit der zwei Liebenden derart beschränkt ist. Es ist eine Liebe, die sich vor allem in der Rückschau manifestiert. In der Erinnerung an wenige intensive Stunden an einer sonnigen, von Wenders wunderbar fotografierten Küste.

Der konventionell anmutende Film hält durchaus Überraschungen parat. So hat etwa die Franziskus-Hommage des gebürtigen Düsseldorfers zunächst nichts gemein mit der thrillerartigen Romanze. Wendet man sich aber der Bildebene zu, gibt es Momente, die zurückdenken lassen an die Art, in der Wenders den Papst filmt: Man hat das Gefühl, Franziskus schaue einen direkt an. Diesmal lässt Wenders seine Hauptdarsteller in mindestens je einer Szene direkt in die Kamera blicken.

Auch dies sind Momente großer Eindringlichkeit. Auch jetzt ist spürbar, dass Wenders der Zustand der Welt umtreibt. Im Papst-Film geht’s auch um Umweltschutz. Hier rückt Wenders leitmotivisch die Bedeutung des Wassers für den Menschen in den Mittelpunkt – und sei es in kaum auffälligen Miniaturen, wenn etwa afrikanische Buben einen großen Fisch aus dem Meer holen.