Kino

Weiche, Satan, weiche!

"Mother!": Darren Aronofsky kehrt mit einem Horrorfilm zu seinen Wurzeln zurück

"Brother!" sagen Amerikaner gerne, wenn ihnen etwas auf die Nerven geht oder missfällt - nach dem Kinobesuch von "mother!" dürfte dieser Ausdruck häufig fallen. Pfiffe und Buhrufe gab es auf dem Filmfestival von Venedig, wo der neue Film von Darren Aronofsky im Wettbewerb uraufgeführt wurde. Man versteht jetzt, warum der Verleih zögerte, das Werk vor dem offiziellen Start zu zeigen. Man hat wohl schlechten "buzz", sprich negative Mundpropaganda gefürchtet, und genau das ist - von wenigen positiven Wortmeldungen abgesehen - auch eingetreten.

Nicht unbedingt verwunderlich. Denn der 48-jährige New Yorker gilt als eigenwilliger Mann, der seine Projekte mit unbedingtem Stilwillen und beratungsresistent umsetzt. Siehe etwa die Fantasymär "The Fountain", an der sich die Geister schieden und die vom Publikum weitgehend gemieden wurde. Mit "The Wrestler" meldete sich der Filmemacher stark zurück und verhalf im Anschluss mit dem Ballettthriller "Black Swan" Natalie Portman zum Oscar. Nun klopfte Hollywood an - Aronofsky schien ein potenzieller Blockbusterkandidat zu sein. Ein Trugschluss. Sein gehyptes Bibelepos "Noah" mit Russell Crowe ging sang und klanglos unter. Jetzt hat er sich an seine Horrorwurzeln, seinen Erstling "Pi - System im Chaos", erinnert und zur Vorbereitung sicherheitshalber wohl mehrfach Roman Polanskis Gruselklassiker "Rosemaries Baby" angesehen.

Das Satanistenapartment im Dakota Building, vor dem John Lennon erschossen wurde, ist einem Landhaus der letzten Jahrhundertwende gewichen. Hier leben ein Dichter (Javier Bardem) und seine Ehefrau (Jennifer Lawrence), die das Anwesen liebevoll restauriert. Die Idylle scheint perfekt, würde der Gatte nicht an einer Schreibblockade leiden. Da stehen eines Tages ein fremdes Paar (Ed Harris & Susan Sarandon) und deren zwei streitsüchtigen Söhne vor der Tür, denen der Schriftsteller freundlich Unterschlupf gewährt...

Damit wird der blutige Home-Invasion-Shocker in Gang gesetzt, der bereits an seiner Prämisse - wer würde offensichtlich gewalttätige Menschen freiwillig bei sich aufnehmen? - scheitert. Da Kino aber bekanntlich nichts für Wahrscheinlichkeitskrämer ist, könnte man darüber noch hinwegsehen. Würde der Regisseur, der zudem als Autor firmiert, zumindest eine rudimentäre Story erzählen.

Doch er setzt ausschließlich auf Optik und Oberflächenreize, auf christliche Symbolik - Stichwort: Schöpfungsgeschichte - und metaphorisches Brimborium. Teufel inklusive, versteht sich. In einer Ecke glitzert ein Zauberedelstein, es rumpelt im Gebälk, die brave Heldin gebiert ein Kind, das die zahllosen durchgedrehten Fans, die ihr Heim inzwischen bevölkern, in Stücke reißen.

Klingt verrückt? Ist es auch. Hinzu kommen schwache, lieblos umgesetzte Computereffekte, ein schrilles, fast schmerzendes Tondesign und chargierende Darsteller. Harris, Bardem und selbst Lawrence, alle ausgewiesene Könner ihres Fachs, haben anscheinend nicht gewusst, worum es hier eigentlich geht.

Sein gewohntes Niveau erreicht lediglich Kameramann Matthew Libatique, dem bedrohlich ausgeleuchtete, an Hieronymus Bosch gemahnende Gräuelbilder gelingen - die will man jedoch gar nicht mehr sehen.