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„Ready Player One“: Steven Spielberg blickt auf seine bildgewaltigen Wurzeln im Popcorn-Kino

Der Mann ist ein Phänomen. 168 (Kurz-)Filme und Serien hat er seit 1961 produziert und 57 Mal auf dem Regiestuhl Platz genommen, als Autor war er tätig und sogar kleine Parts als Schauspieler hat er übernommen: Steven Spielberg, inzwischen 71 Jahre alt. Kinogeschichte hat er mit Filmen wie „E.T.“, seiner „Indiana Jones“-Tetralogie und „Der weiße Hai“ geschrieben, 15 Mal wurde er für einen Oscar nominiert, dreimal hat er ihn gewonnen, darunter als Regisseur von „Schindlers Liste“. Zwanzig (!) Filme hat er zurzeit in unterschiedlichen Funktionen in Planung, darunter Fortsetzungen zu „Jurassic World“ und „Gremlins“ sowie ein Remake von „West Side Story“.

Ernsteren Stoffen hat er sich in den vergangenen Jahren zugewandt, in „München“ beschäftigte er sich mit dem Olympiaattentat 1972, mit „Lincoln“ setzte er dem US-Präsidenten, der die Sklaverei abschaffte, ein Denkmal, zuletzt hat er in „Die Verlegerin“ Katharine Graham porträtiert, die als Chefin der „Washington Post“ 1971 die Pentagon-Papiere veröffentlichte.

Im Jahr 2045

Geschichtliche, politisch brisante Stoffe, die im Gegensatz zu seinen früheren Arbeiten stehen, die primär der Unterhaltung und dem Eskapismus verpflichtet waren. Kurz gesagt Popcorn-Kino, das nun mit „Ready Player One“ wieder auf dem Spielplan steht. Einen Riesenrummel löste der im Juli 2017 veröffentlichte Trailer aus, zahlreiche popkulturelle Referenzen – etwa zu „King Kong“ oder „Zurück in die Zukunft“ – führten zu wüsten Spekulationen darüber, wie das Werk final aussehen und worum es gehen würde.

Jetzt kann man endlich überprüfen, ob man richtig vermutet hat: 2045 ist die reale Welt nur noch schwer zu ertragen: Gewalt, Zerstörung, Umweltverschmutzung, Überbevölkerung. Ein lohnenswertes Leben findet Teenager Wade (Tye Sheridan), wie die meisten anderen Menschen auch, nur im virtuellen Universum OASIS. Hier sind die Gesetze von Physik, Geografie, ja sogar die der eigenen Identität aufgehoben – man muss nur seiner Fantasie ungezügelt freien Lauf lassen.

Entwickelt wurde die Parallelwelt vom exzentrischen Genie James Halliday – Oscar-Preisträger Mark Rylance aus „Bridge of Spies“ –, der seine Millionen und die Kontrolle über OASIS testamentarisch jener Person versprochen hat, die siegreich aus einem Wettbewerb hervorgeht, bei dem ein von ihm verstecktes „Easter Egg“ zu finden ist. Ein würdiger, aufrechter Nachfolger soll so gefunden werden. Wade und seine Clique, High Five genannt, machen sich postwendend auf die realitätsverändernde Schatzsuche.

Die Handlung nach dem gleichnamigen Debütroman von Ernest Cline, der zusammen mit Zack Penn („Der unglaubliche Hulk“) auch das Drehbuch verfasst hat, klingt dünn und altbekannt – und ist es auch. Die schablonenhaft gehaltenen Figuren, das Gut-gegen-Böse-, das Streben-nach-Macht-Schema, kennt man aus den seit Jahren angesagten Science-Fiction- und Comicabenteuern zur Genüge. Das ist für Produktionen dieser Art nicht weiter ungewöhnlich. Es geht ausschließlich um Spektakel und Schauwerte – und davon bekommt man mehr als genug geboten.

Spielberg ist auf diesem Gebiet der große Zampano, der ausgewiesene Maestro. Man muss sich nur fallen, überwältigen lassen, darf nicht anfangen die Story kritisch zu hinterfragen. Tut man das, darf man sich auf 140 turbulente, kurzweilige Leinwandminuten freuen und mit den jugendlichen Helden – zarte Lovestory zwischen Tye und Samantha (Olivia Cooke), die dem Helden liebevoll die Frisur zurechtzupft, inklusiv – mitfiebern.