Kino

Zurück ins „uncoole“ Deutschland

„Misfit“: Teenie-Komödie mit Influencern in den Hauptrollen – und Sylvie Meis als intrigante Schuldirektorin

Von den 1980er Jahren legt vielfach nur noch das Bild im Führerschein Zeugnis ab. Damals feierten in bundesdeutschen Kinos Thomas Gottschalk und Mike Krüger als „Supernasen“ Triumphe. Beide waren keine Schauspieler, aber dafür sehr bekannt. Das reichte, um den Filmen einen Kassenerfolg zu bescheren. Ein ähnliches Konzept – nur zugeschnitten auf das 21. Jahrhundert – verfolgt jetzt die Teenie-Komödie „Misfit“, die nun ins Kino kommt.

Die Namen der Hauptdarsteller dürften Menschen über 20 kaum etwas sagen, doch Schülerinnen und Schüler erkennen sie sofort: Es sind Influencer, Social-Media-Stars, die der Jugend vorgeben, was musikalisch und modisch angesagt ist. Diese Zielgruppen-Ikönchen wurden gemischt mit einigen jungen Darstellern, die schon in früheren Kinder- und Jugendfilmen aufgetreten sind. Das einzige ältere Ensemble-Mitglied ist Sylvie Meis (40), der Eltern-Generation bekannt als Jurorin und Moderatorin von Castingshows („Das Supertalent“, „Let’s Dance“). Sie agiert als intrigante Schuldirektorin Himmelmann.

Hauptfigur des Films ist Julia, verkörpert von der 18-jährigen Frankfurterin Selina Mour, die auf Instagram bereits 450 000 Follower hat. Sie muss im Film mit ihren Eltern aus den USA zurück nach Deutschland ziehen. Dort entwickelt sich ihr Sozialleben zunächst nicht zum Besten, sie wird in der Schule gemobbt. Solche Unbill kann ihr aber letztlich nichts anhaben, denn sie sieht nicht nur gut aus, sie kann auch noch singen wie ein Goldkehlchen.

Die Produktion lehnt sich sehr eng an ein niederländisches Vorbild aus dem Jahr 2017. Die deutsche Version ist von demselben niederländischen Regisseur und wurde in Amsterdam gedreht. Das führt zu unfreiwilliger Komik, wenn Julia ihre Rückkehr nach Deutschland beklagt, dabei aber im Hintergrund eine typisch holländische Häuserzeile zu sehen ist.

Der Film ist von bestürzender Schlichtheit. Man hat den Eindruck, dass er innerhalb von wenigen Tagen an einem einzigen Set runtergedreht worden ist. Insofern sind die Voraussetzungen für kommerziellen Erfolg denkbar gut: Viel gekostet haben kann das nicht.

Es fällt schwer, angesichts des Werks nicht in eine Altersgruppenbeschimpfung zu verfallen, nach dem Motto: „Und sowas gefällt euch?“ Natürlich richtet sich der Film nicht an Menschen, die Zahnspangen und Pickelcremes entwachsen sind. Die passende Empfehlung an alle Erziehungsberechtigten sollte denn auch lauten: Lasset sie gewähren. Auch diese Phase geht vorüber.