Kino

Zwischen Kunst und Kind

„Tommaso und der Tanz der Geister“:

Der amerikanische Filmschaffende Tommaso (Willem Dafoe) lebt mit seiner viel zu jungen und viel zu hübschen Frau Nikki (Cristina Chiriac) im romantischen Rom. Dort ist der Drehbuchautor und Schauspiellehrer bei Einheimischen ob seiner freundlichen Art wohlgelitten. Er nimmt Sprachunterricht und kämpft tapfer gegen alte Dämonen.

Seiner Selbsthilfegruppe verkündet Tommaso, dass er seit sechs Jahren drogenfrei lebt. Nikki hat ihrem Mann vor drei Jahren eine Tochter namens Deedee (Anna Ferrara) geschenkt. Tommaso gibt sich Mühe, die Rolle des treu sorgenden Familienvaters zu spielen. Geschaffen dafür ist er nicht. Während er von Eifersucht geplagt wird, kann er selbst kaum die Hände von hübschen Schauspielstudentinnen lassen. In Tag- und Alpträumen meldet sich der alte, draufgängerische und selbstzerstörerische Künstler zurück, der kein geordnetes Familienleben will. Die Schuldigen an der Misere sind schnell ausgemacht: Nikki und Deedee. Die Wut in Tommaso staut sich auf und sucht ein Ventil.

Persönlicher kann Kino nicht sein. Cristina Chiriac ist die junge, hübsche Frau von Regisseur Abel Ferrara (68). Filmkind Anna Ferrara ist die Frucht der Beziehung. Aus der eigenen Alkohol- und Drogenvergangenheit hat der Amerikaner, dessen bekanntestes Werk das Krimi-Drama „Bad Lieutenant“ (1992) mit Harvey Keitel ist, nie einen Hehl gemacht. Das aktuelle Werk „Tommaso und der Tanz der Geister“ bezieht eine besondere Spannung aus der Frage, wie viel des Gedankenguts des Titelhelden deckungsgleich mit dem seines Schöpfers ist. Willem Dafoe spielt brillant auf. Natürlich, möchte man hinzufügen. Es ist sehr einfach, Eingang in diese fremde Lebenswelt zu finden. Ob der Filmemacher in einem Prozess der Katharsis tatsächlich alle Karten auf den Tisch gelegt hat, wird der Zuschauer wohl nie erfahren. Aber ihm ist ein intensiver Psychotrip gelungen, der lange nachwirkt.

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