Kommentar

Überfällige Diskussion

Birgit Holzer zum Hacker-Angriff in Frankreich

Die Furcht in Zeiten der weltweiten, weitreichenden technischen Möglichkeiten ist ebenso groß wie berechtigt, dass diese für Ansinnen benutzt werden, welche schwerwiegenden Schaden anrichten können.

Schon mehrmals wurden französische Atomkraftwerke mit Drohnen überflogen, nicht immer steckte Greenpeace hinter den aufsehenerregenden Aktionen. Nun verstört die Enthüllung, dass sich Hacker Zugang zu Informationen des Bauunternehmens Ingérop verschafft haben – unter anderem über das geplante Atommüll-Endlager im lothringischen Bure; und sie haben diese Informationen veröffentlicht.

Nicht nur Frankreich musste in den vergangenen Jahren schlimme Terroranschläge erleben und weiß um die stets bestehende Gefahr von weiteren Attacken. Was aber, wenn die Angreifer künftig nicht „nur“ Waffen und Messer anwenden, sondern noch weitaus zerstörerische Pläne hegen?

Sind Frankreichs 58 Kernreaktorblöcke, von denen einige, wie jene des Kraftwerks im grenznahen Fessenheim, ohnehin seit Jahren als störanfällig und überaltert gelten, wirklich entsprechend gerüstet? Oder stellen sie, von denen sich die Franzosen einst Energie-Unabhängigkeit und billigen Strom versprachen, nicht längst eine enorme Gefahr dar?

Es ist eine Diskussion, die die Regierungen des Landes seit jeher ungern führen, stellt sie doch die große Bedeutung der Nuklearenergie für Frankreich infrage. Trotzdem, oder aber besser: Gerade deshalb ist genau diese Debatte überfällig.