Kommentar

Überfälliger Schritt

Archivartikel

Heike Rentsch plädiert für Konsumräume

Wer in den 1980er- und 1990er-Jahren in Frankfurt oder Zürich unterwegs war, sah dort schockierende Bilder. Drogenabhängige konsumierten öffentlich ihr Heroin und lagen dann – teils noch mit Spritze im Arm – wie tot auf Bänken oder in Parks wie dem berüchtigten Züricher Platzspitz.

Heute sind solche Bilder zum Glück seltener geworden. Auch dank der Drogenkonsumräume, die in beiden Städten 1994 eingerichtet wurden. Sie ermöglichten Hundertausenden einen Konsum unter hygienischen Umständen – Infektionen mit HIV oder Hepatitis konnten so verhindert werden. Das schnelle Eingreifen von Mitarbeitern bei Drogennotfällen rettete unzähligen Abhängigen das Leben. Auch liegen in Städten mit Fixer-Stuben weniger Spritzen herum – wie das teilweise heute noch in Mannheim auf Spielplätzen der Fall ist – , und Junkies sind nicht mehr so in der Öffentlichkeit präsent.

Anwohner einbeziehen

Dass harte Drogen wie Heroin Menschen ins Verderben stürzen und töten können, muss nicht diskutiert werden. Auch nicht, dass es besser wäre, wenn überhaupt keine Drogen konsumiert werden würden. Sicher ist aber auch, dass alleine ein Verbot niemandem hilft. Das hat die repressive Drogenpolitik der vergangenen Jahrzehnte mehr als deutlich gezeigt.

Daher ist es besser, den Abhängigen Räume zur Verfügung zu stellen, in denen sie sterile Spritzen und im Notfall schnelle Hilfe finden. Zudem sind die Mitarbeiter des Drogenvereins näher an ihrem Klientel dran, können also auch Hilfsangebote besser einbringen. Denn einen Ausstieg aus ihrer Sucht schaffen Abhängige in den seltensten Fällen alleine.

Allerdings dürfen bei der Diskussion nicht die Ängste der Anwohner rund um den künftigen Konsumraum ignoriert werden. Sie befürchten, dass sich dann nicht nur mehr Süchtige im Bereich der Einrichtung aufhalten werden, sondern auch Dealer dort auf ihre Kundschaft warten. Die Einrichtung eines Drogenkonsumraums ist somit nur ein erster – wichtiger und längst überfälliger – Schritt. Wie gut die Kommunikation zwischen Drogenverein, Polizei und Anwohnern künftig laufen wird, entscheidet letztlich auch über den Erfolg des Projektes.

 
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